PFERDEZUCHT
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An erster Stelle nach Aufkommen
des Gedankens an ein Fohlen sollte die Überlegung stehen, was letztlich nach
all der Mühe für Stute und Besitzer mit dem Fohlen geschehen wird. Behält man das Jungtier, oder
soll es verkauft werden? Wenn all das nicht zutrifft,
kann man allmählich an die Arbeit gehen. Hengstauswahl Charakter und Exterieur sind
mehr oder weniger subjektive Kriterien, die jeder für sich mit entsprechendem
Informationshintergrund entscheiden sollte. Objektiv sind der Standort des
Hengstes, seine Ausbildung, seine Erfolge und die seiner Nachkommen zu
ermitteln. Weiters sind die Preise für
Deckung, Einstellung, tierärztliche Betreuung und eventuell Transport der
Stute zum Hengst zu erfragen. Die Zulassung des Hengstes als
Deckhengst, sowie im Falle der Künstlichen Besamung die Zulassung der den
Samen gewinnenden Station durch die jeweilige Landesbehörde entsprechend dem
Tierzuchtgesetz sind unbedingt vorher abzuklären. Sind die Fragen von der
väterlichen Seite geklärt, wendet man die Aufmerksamkeit nun seiner Stute im
Detail zu. Zuchttauglichkeit der Stute Erstgebärende Stuten sollten
nicht älter als 10 bis 12, maximal 15 Jahre sein. Hat die Stute schon
geboren, kann sie das auch je nach individueller Konstitution bis ins Alter
von etwa 15 bis 18 Jahre weiterhin relativ problemlos bewältigen. Von besonderem Interesse ist
jedenfalls das gynäkologische "Vorleben" der Stute. Vor Abtransport der Stute zum
Hengst sollte, unabhängig von den Anforderungen des Hengsthalters, allein
schon zum Selbstschutz, ein bakteriologischer Abstrich vom Muttermund der
Stute (Tupferprobe) durch den Tierarzt veranlasst werden. Sind all diese
Grundvoraussetzungen erfüllt, kann man sich dem eigentlichen Thema widmen. Decken, Künstliche Besamung
oder Embryotransfer Die natürliche Art der
Fortpflanzung durch Belegung der Stute im Natursprung ist in
Österreich - noch - die übliche Methode der Nachzuchtproduktion. Nach einer im eigenen Stall
genau beobachteten Rosse, während der die angesprochene Tupferprobe
abgenommen werden sollte, kann die Stute zu Beginn der nächsten Brunst zum
Hengst geführt werden. Gynäkologische Kontrollen durch den Stalltierarzt
mittels Ultraschall können unnötige Standzeit beim Hengsthalter vermeiden. Nach Ende der Rosse kann die
Stute nach Hause zurückkehren. Es empfiehlt sich aber die Stute bis zur
ersten Trächtigkeitsdiagnose ab dem 14. Tag nach der letzten Belegung am
Gestüt zu belassen, um im Falle des Leerbleibens der Stute und einer dadurch
notwendigen Nachdeckung den neuerlichen Transport zu vermeiden. International hat sich die Künstliche
Besamung (KB) aus verschiedenen Gründen bereits zum großen Teil
durchgesetzt. Vorteile: Künstliche Besamung verhindert
Deckinfektionen und Deckverletzungen, Nachteile: genaue Bestimmung des Eisprungs
erfordert Erfahrung und ist entscheidend für den Erfolg der KB, Haben Sie Eine neue, und nur in
Einzelfällen interessante Möglichkeit stellt der Embryotransfer (ET)
dar. Grundsätzlich wird beim ET
einem Spendertier ein oder mehrere Keimlinge am 7. bis 8. Tag nach der
Befruchtung entnommen und einem anderen, zyklussynchronen Empfänger zur
weiteren Reifung eingesetzt. Am 14. Tag erfolgt eine erste
Trächtigkeitsuntersuchung mittels Ultraschall, am 45. Tag die zweite.
Anschließend geht die Empfängerstute bis zur Geburt des Fohlens zum Besitzer
zurück. Stuten, die in ihren besten
Jahren erfolgreich an diversen Bewerben teilnehmen, wären in dieser Zeit auch
besonders attraktive Mütter für möglicherweise ähnlich erfolgreiche
Nachkommen. Der ET ermöglicht nun sportlichen Einsatz und Fortpflanzung zur
gleichen Zeit. Aus marktwirtschaftlichen
Überlegungen wird eine weiter Möglichkeit, nämlich mehrere Fohlen einer
Mutter in einer Saison von diversen Empfängern austragen zu lassen kaum zum
Einsatz kommen. Als drittes Einsatzgebiet steht
jenen Stuten der ET zur Verfügung, die auf Grund ihres fortgeschrittenen
Alters oder aus anderen individuellen Ursachen keine ganze Trächtigkeit mehr
ungefährdet überstehen würden, deren Besitzer aber trotzdem Nachzucht von diesen
Tieren wünscht. Der Embryotransfer wird auf
Grund des relativ großen Aufwandes nur in Einzelfällen interessant sein. Er
sollte als Ergänzung für die bisherigen Zuchtmethoden gesehen werden und auch
besonderen Wünschen in der Pferdezucht entgegenkommen. Trächtigkeit, Geburt und
Fohlenaufzucht Die Trächtigkeit kann
frühestens um den 14. Tag nach der letzten Deckung mittels Ultraschall vom
Tierarzt festgestellt werden. Bei dieser Untersuchung ist
eine eventuelle Zwillingsgravidität jedenfalls auszuschließen. Sollte eine
solche diagnostiziert werden, sollte sie immer durch Entfernung einer Frucht,
und wenn dies nicht möglich ist, durch die Einleitung eines Totalabortus
beendet werden. Zwillingsträchtigkeiten sind nur in Ausnahmefällen für Stute
und Fohlen problemlos bis zum Geburtstermin aufrecht zu erhalten. Es kommt
fast immer zu Komplikationen, die auch das Leben der Stute gefährden können.
Wird eine Zwillingsträchtigkeit aber im Frühstadium abgebrochen, so kann im
Regelfall die nächste Rosse nach tierärztlicher Kontrolle zu einer neuen
Belegung genutzt werden. In den ersten Monaten ist auf
Grund des speziellen Hormonhaushaltes der Stute und der sehr langsamen
Einnistung der Frucht in der Gebärmutter jederzeit ein Absterben und
Aufsaugen (Resorption) des Embryos möglich. Daher sollte die
Ultraschalluntersuchung nach dem 45. Tag wiederholt werden. Andere
Möglichkeiten der Diagnose sind Blutuntersuchungen ab dem 45. Tag oder Kot
und Harnprobenuntersuchungen ab dem 120. Tag. Die Fütterung bedarf bis zum
letzten Drittel der Trächtigkeit keiner besonderen Ergänzungen. Weidegang mit
entsprechenden Mineralstoffergänzungsfuttermitteln reicht vollkommen aus.
Gewichtszunahmen in diesem Stadium sind unnötig und können später nur zu
Geburtsproblemen führen. Im letzten Drittel der Trächtigkeit ist der
Eiweißanteil um 10% bis 15% anzuheben, Vitamin A Ergänzung und ein
Caciumgehalt von 8% und Phosphorgehalt von 5% gelten als Richtwerte und sind
der jeweiligen Qualität des Grundfutters anzupassen. Regelmäßige Entwurmungen mit
die Trächtigkeit nicht gefährdenden Mitteln sind alle 6 bis 8 Wochen
durchzuführen. Wie schon erwähnt, sind Impfungen unbedingt zum Schutz von
Mutter und Kind erforderlich. Die Grundimmunisierung gegen Tetanus, Grippe
und Herpesinfektion (Virusabort) sollte schon vor der Deckung abgeschlossen
sein. Während der Trächtigkeit sind diese Impfungen aufzufrischen. Die
dadurch vermehrt gebildeten Abwehrstoffe werden mit der ersten Muttermilch
dem Fohlen als überlebensnotwendiger Schutz vermittelt. Zum Geburtszeitpunkt ist eine
ausreichend große, helle Box, in der die Stute liegen kann und bei der Geburt
immer noch genügend Platz für das Fohlen bleibt. Die Box ist vorher zu
reinigen und zu desinfizieren. Zur Überwachung der Geburt sind
verschiedene elektronische Geräte am Markt. Zumeist wird entweder
Schweißausbruch und / oder Niederlegen und Wälzen an einen Empfänger
gemeldet. Fehlmeldungen kommen je nach Fabrikat relativ häufig vor. Besser
ist es, die wenigen Tage rund um den errechneten Geburtstermin im Stall zu
verbringen. Die Stute sollte allerdings an diese Anwesenheit gewöhnt werden,
da Pferde in unruhiger Umgebung oder bei ungewöhnlichen Umständen die Geburt
über Stunden und Tage hinauszögern können. Videoüberwachung ist in diesem
Fall eine hilfreiche Alternative. Die äußeren Anzeichen der
nahenden Geburt sind relativ unsicher. Sekrettropfen an den Zitzen,
geschwollene, aufgelockerte Scham, häufige Wegstrecken des Schweifes und
Pressen auf den Kot sind alles Zeichen von nahender Geburt, sie können sich
aber auch über Tage hinziehen. Die Stallwache ist sicher zu
empfehlen, da bei der Geburt das Fohlen in den Fruchthüllen geboren werden
kann und wenn die Stute diese nicht öffnet, erstickt das Fohlen im
geschlossen Fruchtsack. Geburtsprobleme sind beim Pferd
selten. Wenn es aber zu Komplikationen kommt, ist rasche Hilfe erforderlich,
da durch die Ablösung der Eihäute dem Fohlen innerhalb von einer halben
Stunde die Sauerstoffversorgung verloren geht. Es sind daher im Stall
unbedingt die Telefonnummern des Tierarztes und eventueller anderer Helfer
deutlich sichtbar aufzuschreiben. Desinfektionsmittel, Schere und
ein sauberes Band zur Nabelversorgung sind ebenfalls vorrätig zu halten. Für
die Hilfeleistung bei der Geburt gibt es zwei absolute Gebote: Selbstschutz
bei Manipulationen hinter der Stute und absolute Sauberkeit, besser noch
Sterilität rund um das Geschehen. Die Geburt eines Fohlens ist
eine dramatische, rasch ablaufende Aktion. Man sollte mit dem schlimmsten
rechnen und dann zumeist überrascht sein, dass alles so problemlos abgelaufen
ist. Drei Stufen des
Geburtgeschehens werden unterschieden: Eröffnungsphase: der Muttermund öffnet sich, das Fohlen wird durch
milde Wehentätigkeit in die richtige Position gebracht. Die geschlossene
Fruchtblase wird durch die Wehen wie eine hydraulische Presse in den
Geburtskanal gepresst und weitet diesen für das nachfolgende Fohlen. Der
Beobachter sieht leichte Koliksymptome mit Unruhe, Pressen, Niederlegen und
Aufstehen, beginnenden Milchfluss an den Zitzen. In diesem Stadium sind alle
Hilfskräfte in Ruhe zu verständigen und für den Notfall in Bereitschaft zu
halten. Im Stall selbst sollte jetzt Ruhe herrschen. Probleme in diesem Stadium:
Verwechslung mit einer Kolik; die Stute ist noch gar nicht in Geburt; das
Datum ist zu früh; das Euter ist noch nicht voll entfaltet - Tierarzt rufen! Austreibungsphase: mit den Wehen wird die Frucht mit den Vorderbeinen
voraus und daraufliegendem Kopf ins knöcherne Becken gepresst. Die
Fruchtblase kann jetzt platzen und ein Schwall Wasser ergießt sich. Mit den fortdauernden Wehen
werden zuerst die Hufe, dann die Nase des Fohlens sichtbar. Absolute Ruhe ist
erforderlich, die Austreibung ist im Gang. Sollte sich die Stute jetzt
niederlegen, ist auf genügend Platz hinter der Stute zu achten, damit das
Fohlen nicht an der Wand ansteht. Innerhalb weniger Minuten
sollte das Neugeborene durch das Becken gepresst sein. Die Nabelschnur reißt
normalerweise an einer vorgegebenen Schwachstelle etwa 10 biss 20 cm von der
Bauchdecke ab. Eihäute sind vom Kopf zu entfernen, die Nabelschnur, falls
sie nicht alleine abreißt, zweimal abzubinden, dazwischen abzuschneiden und
der Stumpf zu desinfizieren. Der offene Nabelstumpf ist die erste
Eintrittspforte für tödliche Infektionen. Ein Kübel kaltes Wasser über den
Kopf des Fohlens kann die Atmungstätigkeit wohltuend anregen. Anschließend
sollte man das Fohlen von der Stute begutachten und reinigen zu lassen.
Trockenreiben mit frischem Stroh fördert die Durchblutung und spart unnötigen
Energieverbrauch des ohnehin schwachen Neugeborenen. Probleme: die Fruchtblase ist
geplatzt, es erscheint aber kein Fohlen; die Wehen setzen aus; es erscheinen
nur ein Huf, zwei Hufe und kein Kopf, mehr als zwei Hufe oder beide Hufe und
die Nase, dann geht es aber nicht weiter; die Nabelschnur ist direkt an der
Bauchdecke ausgerissen; das Fohlen atmet nicht oder nur schwer; Blutungen
oder Geburtsverletzungen - Tierarzt rufen ! Nachgeburtsphase: innerhalb einer Stunde sollte die Nachgeburt unter
leichter Wehentätigkeit abgehen. Das Fohlen macht die ersten Aufstehversuche,
es sollte nach zwei Stunden zum ersten Mal saugen und Mekonium, den ersten
Kot, absetzen. Nach dem Abgang der Nachgeburt
sollte man sie auf ihre Vollständigkeit überprüfen und noch etwa eine Stunde
auf weiteres Pressen achten, restliches Fruchtwasser rinnt ab, das Saugen des
Fohlens fördert die Nachwehen und damit die Reinigung der Gebärmutter. Probleme: die Nachgeburt ist
auch nach 2 - 3 Stunden nicht vollständig abgegangen; vermehrter Blutfluss
aus der Scheide; das Fohlen steht nicht oder saugt nicht, hat kein Mekonium
abgesetzt - Tierarzt rufen (auch nachts!). Am ersten Lebenstag sollte das
Fohlen alle Stunden mindestens 250 ml Milch trinken. Nur an diesem ersten Tag
ist der Organismus in der Lage die lebensnotwendigen mütterlichen Antikörper
über die Milch aufzunehmen. Diese Antikörper wurden durch die ordnungsgemäße
Impfung der Stute während der Trächtigkeit gebildet und sind in der ersten
Milch enthalten. Die notwendige Konzentration von Immunstoffen ist vom
Tierarzt mit einem Schnelltest festzustellen und gegebenenfalls medikamentös
zu ersetzen. In den ersten Tagen sollte das
Fohlen bereits an den Menschen gewöhnt werden und je nach Witterung auch
bereits unter Kontrolle nach draußen gehen. Trinken, Urinieren, Kotabsetzen
und Herumspazieren findet in kurzen Intervallen und mit kleinen Pausen statt.
Unregelmäßigkeiten in diesen Grundlebensformen deuten auf ein tief
greifendes Problem - Tierarzt rufen! Um den 8. Tag zeigt die Stute
wieder Rossesymptome. Unter anderem wegen des geänderten Hormonhaushaltes in
der Milch kommt es beim Fohlen in dieser Zeit zu Durchfall. Tritt dieser
schon früher auf, ist an Infektionen oder Unverträglichkeiten zu denken. Ab der 4. Lebenswoche sollte
bereits spezielles Fohlenfutter zugefüttert werden. Dabei ist darauf zu
achten, dass durch entsprechende Futterboxen die Stute nicht an das Futter
heran kann. Das Impf- und
Entwurmungsprogramm beginnt ab der 6. Lebenswoche und wird vom Tierarzt auf
die jeweiligen lokalen Umstände abgestimmt. Die tägliche Gewichtszunahme
sollte etwa bei 2% bis 3% des Körpergewichtes liegen. Zusammenfassend ist die
Trächtigkeit für die Stute die längste Zeit keine besondere zusätzliche
Belastung. Impfungen und
Entwurmungen schützen das Fohlen in den ersten Wochen entscheidend. Geburtsüberwachung, Ruhe,
Hygiene und rasch verfügbare Hilfe im Ernstfall sind entscheidend für
möglichst problemlosen Nachwuchs. Das neugeborene Fohlen bedarf
besonderer Aufmerksamkeit in den ersten Wochen. Jede
Veränderung kann ernsthaft sein und ist nicht zu bagatellisieren. Der
in der Pferdezucht erfahrene Tierarzt weiß um diese Probleme und kommt lieber
einmal vergeblich als einmal zu spät. |
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Dr. Friedrich
Wollinger |
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