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Das Wort Chiropraxis stammt aus
dem Griechischen und bedeutet soviel wie mit der Hand arbeiten. Und auch in
der "manuelle Therapie" steckt die Hand (lat. manus).
Es werden die Hände gebraucht um Krankheiten zu diagnostizieren, zu heilen
oder zu vermeiden.
Energie wird in speziellen Techniken mit den Händen auf Knochen- und
Muskelapparat gelenkt um diese so reflektorisch wieder ins Gleichgewicht zu
bringen.
Der Rücken des Pferdes entspricht in seiner Aufhängung und Mechanik einer
Hängebrücke.
Rückenwirbel, Rippen, Muskulatur bilden die Verstrebungen, die Verbindungen
mit den Vorder- und Hinterextremitäten sind die Widerlager. Dieses System ist
in sich stabil im Gleichgewicht und es wird wenig Energie verbraucht um den
Körper elastisch in Position zu halten.
Zwischen den einzelnen Wirbeln treten jeweils Nerven und Blutgefässe hervor, welche
die umliegenden Muskeln und Organe versorgen.
Äußere Einflüsse wie unpassende Ausrüstung oder falsche Reitweise, aber auch
Unfälle stören dieses Gleichgewicht und führen zu Verschiebungen und
Fehlstellungen einzelner Wirbel zueinander. Muskeln werden schlechter mit
Blut versorgt und von den in ihrer Funktion behinderten Nerven unzureichend
gesteuert. Nerven werden teilweise eingeklemmt. Sauerstoffunterversorgung und
irritierte Nerven führen zu Verspannungen, Krämpfen und Schmerzen. Diese
bedingen weitere Fehlstellungen der Wirbel zueinander, die Schädigung
schreitet in einem Teufelskreis voran.
Die Elastizität des Rückens geht schrittweise verloren. Ohne diese
Elastizität ist der Rücken aber nicht in der Lage entsprechend frei zu
schwingen und den Beinen die gewünschte Bewegungsfreiheit und den Raumgriff
zu geben. Spießiger Gang oder geringgradige, oft auf den ersten Blick kaum
sichtbare, nur vom sensiblen Gesäß fühlbare, unspezifische Lahmheiten sind
die Folge.
Wie sieht nun eine korrekte Untersuchung aus?
Zuerst wird ein genauer Vorbericht erfragt. Dazu ist es also schon notwendig,
dass ein mit der Problematik Vertrauter, Reiter oder Trainer, anwesend ist.
50% der Diagnose basieren auf einem genauen Vorbericht.
Dann hat ein ordentlicher klinischer und orthopädischer Untersuchungsgang zu
erfolgen. Dazu gehört auch die Analyse im Stand und in der Bewegung.
Erst dann kommen spezielle Untersuchungen wie Abtasten der Wirbelsäule,
Testung der Position einzelner Wirbelkörper zueinander und deren
Beweglichkeit und das Fühlen von Muskelspannungen, überempfindlichen Regionen
und lokalen, ungewöhnlichen Temperaturunterschieden.
Nach dieser umfassenden Befunderhebung sind bei entsprechenden Indikationen
spezielle Techniken der manuellen Medizin in Abhängigkeit von biomechanischen
und physikalischen Gesetzmäßigkeiten anzuwenden. Es wird versucht, die, in
einzelnen Gelenken zueinander verschobenen Knochen wieder in die normale,
gesunde Position zu bringen. Eine Bewegung von einzelnen Knochen, die in
Spannung zueinander verstellt sind, ist nur möglich, wenn das Pferd
vertrauensvoll und in seiner Gesamtheit entspannt ist.
Die Reposition ist nicht sosehr mit Kraft, sondern vielmehr mit Technik und
vor allem mit genauem Wissen der Funktionen der betroffenen Gelenke und
Muskeln zu bewerkstelligen.
Kraftvolle Manipulationen sind vielleicht spektakulär, meist aber nicht
zielführend, oft sogar dem Heilungsprozess zuwider laufend und
dementsprechend abzulehnen.
Ohne das tierärztliche Basiswissen ist die Anwendung von chiropraktischen
Kunstgriffen als gefährliche Kurpfuscherei anzusehen und abzulehnen.
Verspannungen und andere Bewegungsprobleme sind oft nur die Folge einer
anderen, im ersten Ansehen nicht erkennbaren Störung und Krankheit. Eine
Hufbeinprellung oder ein sich anbahnendes Hufabszess führen zum Beispiel
anfangs zum Schonen des entsprechenden Beines. Es wird entlastet und das
Gleichgewicht über die Wirbelsäule neu verteilt. Der laienhafte, auf den
Rücken fixierte Therapeut wird nun die Rückenmuskulatur und die Wirbel
untersuchen, vielleicht Verspannungen und Verstellungen spüren und dann mit
einigen spektakulären Griffen unter bewunderndem Nicken der Umstehenden das
Pferd in die Länge und in die Breite ziehen.
Wenn es gut geht, passiert nichts außer dass der Patient nach wenigen Tagen
schlimmer beisammen ist als zuvor. Es können aber auch Muskelfasern und
Sehnen schwer geschädigt werden und zu dem nicht behandelten Hufabszess
gesellt sich dann auch noch eine äußerst langwierige und schmerzhafte Muskel-
und Nervenentzündung hinzu. Die Kosten betragen ein Vielfaches einer
fachgerechten, tierärztlichen Behandlung und die Rekonvaleszenz bis zur
Wiederherstellung beträgt Monate statt einiger Tage bis wenige Wochen.
Je früher Bewegungsprobleme erkannt und fachmännisch diagnostiziert und behandelt
werden, umso geringer sind die Folgeschäden und umso schneller ist mit einer
Wiederherstellung des Patienten zu rechnen.
Die Ursachen solcher Bewegungsstörungen sind vielfältig. In erster Linie sind
es schlecht angepasste Sättel, mangelhaftes Aufwärmen vor dem Abverlangen von
Leistung und zweifelhafte Reitkenntnisse.
Nur wenige, geübte Sattler sind in der Praxis unterwegs. Zum Aufwärmen hat
kaum jemand Zeit (?!) und reiten können nur die anderen nicht (wie Auto
fahren). Dementsprechend schwierig ist es, die Ursachen an der Wurzel
abzustellen.
Weitere Ursachen sind unter anderem Verletzungen und Stürze,
Transportprobleme, inadäquate Bewegung im täglichen Leben (23 Stunden in der
Box), im Training und Schwergeburten. Besonders hervorzuheben ist noch
falscher Hufbeschlag. Man stelle sich vor, mit einem flachen und einem hohen
Schuh zu laufen. Die Rückenschmerzen sind bereits nach wenigen Stunden kaum
noch auszuhalten. Und dann möchte noch einer auf unserem Rücken abends um den
Häuserblock getragen werden.
All diese Ursachen können
Rückenprobleme im Gefolge haben. Die Grundursache zu beseitigen ist die eine
Seite, Folgeschäden an Muskeln und Gelenken sind eine zweite –
chiropraktische Seite.
Begleitend zur manuellen Therapie sind Massagen wie Shia Tsu, gymnastische
Übungen, Physiotherapie, Homöopathie und Reiki als ergänzende, therapeutische
Methoden in der Rehabilitation hilfreich. Und das nicht nur für das Pferd,
sondern oft auch für den Reiter.
Knochen knacken lassen alleine ist keine zielführende Methode. Genauso wenig
wie das beliebte "Einspritzen" von Gelenken oder Muskeln. Damit
werden nur die Symptome beseitigt, die Ursachen bleiben bestehen und der
Schaden wird kontinuierlich größer. Der Freude über die schnelle Heilung
folgt unweigerlich der Frust über den neuerlichen, und möglicherweise
endgültigen Niederbruch. Wenn sie den schnellen Erfolg wollen, sollten sie
ein Mountainbike erstehen und im Schadensfall den Plattfuss am Drahtesel
flicken, die Gabel geradebiegen und gleich wieder weiterhasten. Mit dem
Pferd funktioniert das nicht - und es ist im höchsten Maße unfair.
Einmal mehr also die Aufforderung meinerseits an die geehrte Reiterschar,
sich mehr Zeit für den Partner Pferd und damit auch für sein eigenes Wohl zu
nehmen – und nicht jedem Modeguru hinterher zulaufen, sondern dem fachlich
kompetenten Tierarzt zu vertrauen.
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