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Groß ist die Kluft zwischen Medizinern und
Pferdebesitzern, die der konventionellen Medizin den Vorzug geben und denen,
die den "alternativen" Methoden Glauben schenken.
Alleine das Wort „alternativ“ beinhaltet bereits den Kern des
Glaubensstreites.
"Alternative" Methoden sind keine Alternative, sondern eine
Ergänzung zur konventionellen, westlichen Medizin. Daher ist es besser von
komplementärer (=ergänzender) Medizin zu sprechen.
Es wird mit zunehmender Entfremdung des Zivilisationsmenschen von der Natur
modern, sich mit Hilfe verschiedener Methoden wieder zurück in den Schoß
derselben begeben zu wollen.
Häufig sind zahlreiche, wenig erfolgreiche Therapieversuche
unterschiedlichster Probleme vorangegangen. Frustration hat sich breit
gemacht. Dann tauchen die Geschichten von diversen „Wunderheilern“ oder
„Wundermitteln“ auf. Wenn dann auch noch „bio“, oder noch besser „natürlich“
draufsteht, dann keimt neue Hoffnung.
Allzu oft ist dann die Bereitschaft da, durch das Wunschdenken unkritisch
geworden, nochmals die Brieftasche zu öffnen. Die Werbung tut das ihre dazu.
Spezialisten treten auf, deren Ausbildung oft in einigen Wochenendkursen
begründet ist.
Das Ende vom Lied sind oft Enttäuschung beim Besitzer und vor allem keine
Besserung, oder sogar Verschlechterung im Leiden des Patienten.
Es sollte daher immer nach dem Grad der Ausbildung des Therapeuten gefragt
werden.
Viele komplementäre Methoden werden mittlerweile auch an den Universitäten
erforscht, anerkannt und in Form von Zusatzausbildungen gelehrt.
Akupunktur, seit mehr als 2000 Jahren in China praktiziert, ist die
wahrscheinlich spektakulärste Form. Mehr als 600 Hauptpunkte, über den ganzen
Körper verteilt, bewirken, durch Nadeln stimuliert, die Wiederherstellung des
Gleichgewichts im inneren Energiehaushalt.
Einige dieser überlieferten Punkte sind mit Mitteln der heutigen Forschung in
ihrer Lokalisation und Wirkung bestätigt worden.
Die Akupunktur eignet sich vor allem zur Therapie von Stoffwechsel-,
muskulären und nervalen Problemen.
Chiropraxis bezeichnet das Einrichten verschobener Knochen zueinander,
vorwiegend der Wirbelsäule. Häufig sind diese Verschiebungen aber Folge von
krankhaften Muskelspannungen unterschiedlichster Ursache. Werden diese
Muskelprobleme nicht gelöst, so ist eine chiropraktische Therapie nur von
vorübergehendem Wert. Chiropraxis allein ist selten zielführend. Jedenfalls
gehört sie aber unbedingt in die Hände eines umfassend ausgebildeten
Tierarztes. Selbsternannte Spezialisten unter Trainern und anderen
"Fachleuten" können die Gesundheit ihres Pferdes nachhaltig
gefährden.
Manuelle Praktiken sind ein weites Feld. Von der simplen psychisch
entspannenden Massage bis hin zur speziellen, auf einzelne Bereiche
konzentrierten Manipulationen wie craniosacrale Therapie und andere fällt
alles unter diesen Begriff. Erstere sollte jedermann/frau bei seinem Pferd
üben. Dazu reichen Wochenendkurse für Laien. Tägliches massieren vor und nach
dem Reiten entspannt Pferd und Reiter und führt zu einer wesentlich besser
psychischen Bindung zwischen beiden.
Laser bewirken mit Hilfe konzentrierten Lichtes einer bestimmten Wellenlänge
eine Stimulation der Haut und des darunter liegenden Gewebes. Der Einsatz
reicht von Behandlung offener Wunden, Muskel- und Sehnenverletzungen zur
schnelleren Heilung bis zur Anwendung in der Akupunktur als Nadelersatz.
Pulsierende Magnetfeldtherapie wird in erster Linie zur besseren Wundheilung,
Entzündungshemmung und damit zur rascheren Schmerzausschaltung und zur
Entspannung des Patienten verwendet. Magnetfelddecken, -bänder und -bandagen
sind in unterschiedlichsten Formen in Verwendung. Der Kauf teurer Geräte
alleine hilft ihrem Pferd aber auch nicht unbedingt weiter.
Eine besondere Form ist die Stosswellentherapie, die auf Grund des hohen
materiellen Geräteaufwandes Kliniken vorbehalten sein dürfte. Hier sind die
Ergebnisse noch nicht abschließend erforscht.
Homöopathie ist die dem Laien und dem westlich denkenden Mediziner wohl
suspekteste Art von Therapie. Sie ist in letzter Zeit wieder stark in
Diskussion gekommen. Substanzen, die einen Gesunden krank machen können, sollen
eben dieses Bild, bei einem Kranken in unendlicher Verdünnung angewendet,
heilen. Ähnlich der Akupunktur bedarf es bei der Anwendung jahrelanger
Erfahrung und ist ausschließlich in den Händen von Medizinern zu belassen.
Futterzusatzstoffe, Beifutter, Ergänzungsfutter, Vitamin- und
Mineralstoffmischungen und wie sie alle heißen, sind in Abhängigkeit von der
Notwendigkeit anzuwenden. Die Entscheidung darüber sollte ihr Tierarzt und
nicht der Futtermittelvertreter oder die Werbung treffen. Im geringsten Fall
ist es Geldverschwendung, im schlimmsten Fall kann damit großer Schaden
angerichtet werden.
Wesentlich ist, dass die "Alternativen" meistens keine
"Alternativen", sondern oft hilfreiche Ergänzungen sind. Ein
gebrochenes Bein wird immer zuerst chirurgisch zu versorgen sein,
anschließend kann die Heilung mit "Alternativen" günstig
beeinflusst werden. Das gleiche gilt für einen Blasenstein, einen
Darmverschluss oder eine akuten Unfallpatienten – lebensrettend ist die
richtige, medizinische Erstversorgung.
Ob nun konventionell oder alternativ – die Behandlung ist nur von dafür
qualifizierten Tierärzten durchzuführen. Nur er kennt die Zusammenhänge in
ihrer Gesamtheit dank jahrelanger Ausbildung. Die spezielle Qualifikation ist
zumeist durch entsprechende Zeugnisse und in weiterer Folge durch den Erfolg
der Behandlung und damit dem Wohlbefinden unseres Freundes erbracht.
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