Die Trächtigkeit neigt sich dem Ende zu, die
FOHLENGEBURT
naht.
Die Trächtigkeitsdauer variiert bei der Stute von 11 bis zu 13 Monaten.
Individuell bleibt sie aber für die einzelne Stute ziemlich konstant. Das
heißt, war die letzte Geburt am Tag 365 nach der letzten Deckung, wird es beim
nächsten Mal auch etwa solange dauern.
Am Ende der Trächtigkeit treten öfters leichte, kolikähnliche Vorwehen auf, die
durch Lageveränderungen des Fetus zur optimalen Geburtsposition bedingt sind.
Sie dauern meist nur einige Minuten und sind weiter nicht besorgniserregend.
Die Euterentwicklung gibt auch einen gewissen Aufschluss über die nahe Geburt.
Kurz davor wird ein wachsartiges Sekret, die so genannten Harztropfen,
abgesondert, aber wie so vieles beim Pferd, auch das nicht immer.
Calciumbestimmung in der Milch kann mittels eines Test-Kitts Aufschluss über
den bevorstehenden Termin geben. Die Calciumkonzentration steigt unmittelbar
vor der Geburt deutlich an - aber, siehe oben, auch nicht immer.
Geburtswächter, Geräte, die, am Pferd montiert, über Funk Niederlegen, Wälzen und / oder Schweißausbruch melden, sind ebenfalls Hilfsmittel. Besonders in Gestüten mit mehreren Stuten zur Geburt leisten sie wertvolle Dienste.
Videoüberwachte Abfohlboxen in Verbindung mit verlässlichen Wächtern sind die sicherste Methode, im Fall des Falles rechtzeitig Hilfe leisten zu können.
Im
Stall zu wachen kann bei nervösen Stuten, die die Anwesenheit von Menschen als
störend empfinden, dazu führen, dass die Geburt über Tage hinausgezögert wird,
bis einmal die Gelegenheit günstig scheint und sich das Pferd ungestört und
unbeobachtet fühlt. Der Stress für Wachende und Bewachte steht daher in keiner
Relation zum gewünschten Erfolg, es kann sogar den gegenteiligen Effekt haben.
Die Eröffnungsphase beginnt mit deutlichen Koliksymptomen.
Die Austreibungsphase wird meist mit dem Brechen der ersten Fruchtblase
deutlich erkennbar. Scheinbar kübelweise ergießt sich hellgelbes, klares
Fruchtwasser aus dem Geburtskanal. Von diesem Zeitpunkt an geht alles sehr
rasch, nach 30 Minuten sollte die Geburt abgeschlossen sein.
Eine milchig weiße Blase, der eigentliche Fruchtsack mit dem Fohlen darin,
erscheint und kurz darauf sollten auch bereits die Hufe der Vorderbeine
sichtbar sein.
Sie erscheinen leicht gegeneinander versetzt, der zweite Huf auf Höhe des
Fesselgelenkes der ersten Extremität, die Sohlen sollen nach unten weisen.
Spätestens mit den Carpalgelenken (Vorderknie) sollte die Nase über den Beinen
liegend erscheinen.
Durch
die Wehentätigkeit kann sie einige Male vor- und wieder zurückgeschoben werden.
Da zu diesem Zeitpunkt die Sauerstoffversorgung noch über die Nabelschnur
läuft, besteht keine Erstickungsgefahr, wenn die Nase noch ein- zweimal wieder
verschwindet.
Die weitere Austreibung bis zu den Hüften geht dann relativ flott voran.
Vor der letzten Austreibung kann eine kurze Pause eingelegt werden.
Hier sollte aber bereits die Nase frei zum Atmen sein. Im Bedarfsfall kann man
die Eihaut mit den gesäuberten Händen auch durch herzhaftes Zupacken zerreißen.
In dieser letzten Phase wird die Nabelschnur spontan durchtrennt, am Fohlen
sollten ca. 10 bis 20 cm verbleiben.
Innerhalb von 10 Minuten sollte das Fohlen bereits in einer aufrechten Position
liegen und nach 30 Minuten die anfangs ungelenken Aufstehversuche von Erfolg
gekrönt sein.
Die Stute steht nach etwa 10 Minuten wieder, kann sich aber durch die weitere
Wehentätigkeit und die Austreibung der Nachgeburt unter Koliksymptomen noch
öfters wieder hinlegen. Man sollte sie aber nicht im Liegen zu viel pressen
lassen.
Nach einer Stunde muss die Nachgeburt abgegangen sein.
Das Fohlen ist auf dem Weg zum Euter und soll innerhalb von 2 Stunden die
erste, mit Abwehr-, Nähr- und Mineralstoffen reiche Milch bekommen haben.
Dies soll nur ein kurzer Abriss einer normalen Pferdegeburt sein.
Im Stall muss jederzeit die Telefonnummer des nächsten diensthabenden Tierarztes griffbereit sein. Manches kann dann vielleicht telefonisch geklärt werden.
Jedenfalls darf aber bei möglichen Problemen nicht zugewartet werden, da im Allgemeinen die Überlebenszeit des Fohlens während der Geburt nicht größer als eine Stunde ist.
Dr. Friedrich Wollinger
Fachtierarzt
für Pferde