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DAS PFERD IST KEIN FAHRRAD |
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Die Turniersaison ist voll im
Gange und die Probleme mit Gelenken, Muskelverspannungen und
Sehnenverletzungen stehen wieder an oberster Stelle der tierärztlichen
Interventionen. AUFWÄRMEN und ABKÜHLEN Mangelnde Pflege der genannten
Systeme in Form von ordnungsgemäßem Aufwärmen des Pferdes rund um einen
Bewerb ist eine wesentliche Ursache für diese oft langwierigen Probleme. Wenige gesicherte
wissenschaftliche Arbeiten sind bisher über die Methoden und die positiven
Auswirkungen des Aufwärmens beim Sportpferd gemacht worden. Grundtenor ist
allerdings das Verhindern von Verletzungen. Unabhängig von der Methode, das
Ziel ist immer, das Leistungsvermögen zu steigern und das Verletzungsrisiko
zu minimieren. Das ist aber nur bei gesunden Tieren zu erreichen.
Bewegungsanalysen und allgemeine Untersuchungen incl. Blutbildkontrollen
sollten vor jedem größeren Bewerb stehen. Die Methodik, ob leichtes
Training durch Dehnungs-, Biegungs und Trabübungen oder hartes Fordern von
Galopp- und Sprungwillen, bleibt oft dem Trainer und / oder dem individuellen
Leistungsvermögen des Pferdes vorbehalten. Manche bevorzugen mentalen, andere
körperliche Aufbau, wieder andere Wärmeduschen und / oder Einreibungen. Aufwärmen stärkt den Aufbau von
Geschwindigkeit, Flexibilität und Kraft, weniger die Reaktionsfähigkeit. 70% der Maximalleistung in der
Aufwärmphase gefordert, setzt Blut aus dem Speicher, besonders der Milz,
frei. Mehr Blut im Kreislauf bedeutet mehr Sauerstoff und damit mehr
Leistungsfähigkeit der Muskulatur. Vermehrte Freisetzung von Fettsäuren durch
kontrolliertes Aufwärmen reduziert die Produktion von Lactat als Abbauprodukt
von Blutzucker, der bei hoher Leistungsanforderung massiv verbraucht wird. Das Anheben der
Muskeltemperatur durch kontrolliertes Aufwärmen macht die Gefäße
durchgängiger, der Stoffaustausch kann rascher von statten gehen, mehr
Sauerstoff wird herangebracht, weniger Blutzucker wird abgebaut, weniger
Lactat fällt an. Dehnungsübungen machen die
Sehnen und Bänder elastischer, besonders beim Pferd mit seiner großen
Körpermasse in Relation zu den Sehnen, deren Dehnfähigkeit wesentlich von der
Elastizität der sie unterstützenden Muskeln abhängig ist. Wesentlich scheint die
psychische Komponente für das Pferd, Wird das Aufwärmen schon
sträflich vernachlässigt, so schenkt man dem kontrollierten Abkühlen des
Athleten oft noch weniger Aufmerksamkeit. Ziel ist, den Stresspegel
langsam abzubauen, kleinere Muskelfaserreizungen besser zu ,,verheilen"
und die Müdigkeit langsam zu minimieren. Die Aktivität sollte der vorher
geforderten Leistung ähnlich, nur geringer sein. So können Abbauprodukte im
Gewebe besser abtransportiert und Muskeln und Sehnen besser in ihren
ursprünglichen, elastischen Zustand rückversetzt werden. Nach einer Phase des
,,Abgehens" kann eine nochmalige kurze Leistungsforderung den
Abtransport von Schadstoffen beschleunigen. Durch den hohen Stoffwechsel
während des Bewerbes wird extrem viel Wärme im Körper produziert, die
anschließend kontrolliert nach außen abgegeben werden muss. Bewegung fördert
die Transpiration und damit die Abkühlung. Die Durchblutung der unteren
Beinpartien bleibt aufrecht, Schwellungen werden dadurch verhindert.
Kaltwasserberieselung sollte erst nach Absenken der Pulsrate zur Norm
begonnen werden. ACHTUNG : die häufig
beobachtete Praxis der Ganzkörperduschen mit kaltem Wasser führt zur raschen
Abkühlung der oberflächlichen Muskulatur, zum Hitzestau darunter und zum
Erliegen des Schadstoffabtransportes, also genau dem Gegenteil dessen, was
erwünscht ist. Schwerste Verspannungen mit langwierigen Problemen im gesamten
Bewegungsapparat sind die Folge. Die Methoden des Abkühlens sind
wie die des Aufwärmens individuell sehr verschieden. Abkühlung in ruhiger,
schattiger, kühler Umgebung, und leichte Bewegung über einen längeren
Zeitraum nach dem Bewerb unter öfter Pulskontrolle sind aber jedenfalls der
beste Schutz vor Verletzungen und damit die Voraussetzung für ein
leistungswilliges, konkurrenzfähiges Pferd. Lang anhaltend hohe Pulsraten,
Bewegungsstörungen und geschwollene Gelenke sind Alarmzeichen für mangelnde
Kondition und / oder Konstitution. Sollte vor dem Bewerb der
mangelnde Gesundheitszustand nicht erkannt worden sein, so ist an Hand dieser
Symptome spätestens jetzt der Tierarzt beizuziehen. Physiotherapie ist ein
wesentlicher Bestandteil im Training von Sportpferden beim Aufwärmen und beim
Abkühlen. Und nicht nur bei Sportpferden. Jedes Pferd empfindet die plötzlich
geforderten Leistungen als Stress. Diesen Stress nicht zu groß werden zu
lassen, oder nicht zu lange anhalten zu lassen und abzubauen, ist Aufgabe des
Besitzers. Allfällige Schäden durch das Nichtbeachten dieser Maxime zu
beheben ist Aufgabe der Physiotherapie. Die Methoden der Physiotherapie
sind vielfältig. Massagen, Bewegungsübungen, spezielles Aufbautraining und
Gymnastik sind einige dieser Hilfen. Die jeweils beste Art wird der
ausgebildete Therapeut feststellen können. Entscheidend aber ist die
gewissenhafte Durchführung der Aufgaben. Das liegt alleine in der
Verantwortung des Besitzers, und dient dem Wohl des Pferdes, damit seiner
Leistungsbereitschaft und somit letztendlich auch dem Wohle des Besitzers. Ein Fahrrad kann man aus der
Garage nehmen, benutzen und wieder an seinen Platz zurückstellen, - und ein
Pferd? |
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Dr. Friedrich Wollinger |
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