Überwintern im Süden – wer hat davon noch nicht geträumt?
(Fotos unter
http://www.wollinger.at/namibia.htm)
Ein Arbeitsprojekt gemeinsam mit der Windhoek Vet Clinic ermöglichte
es mir zur Jahrtausendwende, Pflicht und Neigung zu vereinen und eine neue
Faszination kennen zu lernen.
Namibia ist ca. 825.000 qkm groß, das ist etwa so groß wie
Deutschland und Frankreich zusammen. Auf dieser Fläche leben 2 Mio. Einwohner,
davon sind 10% Weiße. Sie „besitzen“ 90% des Landes.
Selbst heute noch hört man von höchster Stelle, dass
die Indianer Südamerikas hoffnungsfroh und sehnsüchtig auf ihre Erlöser aus dem
fernen, katholischen Europa gewartet haben.
Seit der Unabhängigkeit regiert eine von Schwarzen dominierte,
demokratisch gewählte Regierung. Als Relikt der alten sozialistischen Bande mit
der DDR blieben vorerst noch lose politischen Kontakte zu China erhalten.
Seit einiger Zeit hat China einen Teil seiner wirtschaftlichen
Entwicklung auf den afrikanischen Kontinent konzentriert. Handel,
Transportwesen und Bauwirtschaft sind immer mehr chinesisch beeinflusst. Ausbau
der Infrastruktur für Rohstoffe ist die Devise. Ohne Einmischung in interne
Belange.
Ökonomisch bestehen enge Verbindungen zu den Nachbarländern,
besonders Südafrika, sowie vor allem zu Deutschland und damit zu einer westlich
orientierten Gesellschaft.
Aufgrund der funktionierenden Infrastruktur, der für
afrikanische Verhältnisse stabilen Regierung und der allgegenwärtigen
Geschichte, die auch gepflegt wird, entspricht Namibia nicht unbedingt dem
Klischee vom afrikanischen Chaos.
Der Linksverkehr – Relikt englischer Herrschaft Mitte des
vorigen Jahrhunderts - rollt gemächlich auf Asphaltstraßen. Ampeln
funktionieren und werden auch als solche beachtet. Straßenreinigung,
Müllabfuhr, Supermärkte, die alles führen und auch am Wochenende bis 22 Uhr
geöffnet sind, Tankstellen mit 24-Stundenservice, Hotels, Pensionen und
Restaurants unterschiedlichster Geschmacksrichtungen zu moderaten Preisen, all
das ist normal – in Windhoek.
Die deutsche Geschichte ist in den sauberen Straßen allgegenwärtig. Alte Häuser in Fachwerkbauweise neben einigen unvermeidlichen Hochhäusern und breite, palmengesäumte Flanierstraßen bilden das Stadtzentrum inklusive Fußgängerzone mit den obligaten Souvenirhändlern. Biergärten mit Weißwurst und Hefeweizenbier, Pizzerias, Chinesen, Steakhäuser und Straßencafes mit Apfelstrudel und Melange laden zum Verweilen ein und helfen, sich an das harte, halbwüstenartige Klima in 1500m Seehöhe zu gewöhnen. Sehenswürdigkeiten gibt es wie in jeder anderen Stadt dieser Welt. Erlebenswert ist jedenfalls, bei einem kühlen Bier am Straßenrand zu sitzen und das geschäftige Nebeneinander von Schwarz und Weiß zu beobachten.
Die Hauptstraßen sind asphaltiert, die Sandnebenstraßen sind
alle nummeriert und beschildert. Verfahren kann man sich mit einem Minimum an
Kartenlesen und Orientierung praktisch nicht – nur jede Tankstelle sollte man
nutzen. 200 km ohne eine solche sind normal.
Wenn man aber abseits der Hauptstraße nur alle zwei bis drei
Stunden ein anderes Auto trifft, dann ist es nicht angenehm, ohne Benzin oder
Reservereifen liegen zu bleiben. Geholfen wird aber immer, wenn auch manchmal
erst nach Stunden.
Das Klima ist meist heiß und trocken. Im Sommer (November bis
März) ist es nachts angenehm warm, tagsüber bis 40 Grad heiß.
Einzelne
heftige Regenschauer bringen die karge Vegetation wieder in Schuss.
Und den Verkehr
zeitweilig für Stunden zum Erliegen weil es praktisch nur Furten, aber
kaum Brücken gibt. Vor allem aber auch, weil es auch da Ungeduldige gibt, die
unbedingt die Wattiefe ihres Vehikels testen wollen – und dann notgedrungen den
Motorraum wieder trocken legen müssen. Bei 300 Tagen ohne Wolke am Himmel sind
die Flussläufe nur kurzfristig nach einem Regenguss gefüllt. Die meiste Zeit im
Jahr sind es trockene Sandbette. Selbst zu dieser Zeit ist die Hitze aber nicht
als unangenehm zu empfinden, da die schwüle Luftfeuchtigkeit gänzlich fehlt.
Im Winter sind die Nächte kalt (Minustemperaturen sind keine
Seltenheit), tagsüber hat es aber angenehme 20 bis 25 Grad. Das ist die
Hochsaison für Touristen. Keine von einem Gewitterregen blockierte Straße,
Sonnenschein pur, tolle Licht- und Schattenspiele für den Fotofreund. Die
Wildtiere, vom Elefanten über Löwen und Paviane bis zu allen möglichen
Gazellenarten und Giraffen, sind wegen der Trockenheit an den Wasserstellen zu
finden. Ausflüge mit dem Auto, geführte Fußwanderungen oder Tagesritte sind zu
dieser Zeit problemlos zu genießen.
Sowohl die staatlich geführten Lodges in den Nationalparks als auch
die vielen privaten Gästefarmen bieten dem Besucher alles, was das Herz begehrt
bzw. was die Brieftasche zulässt. Billig sind sie nicht 100.- bis 150.- Euro
pro Person und Nacht sind Durchschnitt.
Die meisten Touristen zieht es wohl in die Naturparks im Norden
des Landes. Im äußersten Norden wird das Land grün und afrikanisch. Die Farmen
sind verschwunden. Dörfer säumen den Weg zu den Victoriafällen und ins
weltberühmte Okawangodelta. Am Sambesi treffen sich die Angelfreeks vornehmlich
aus Südafrika. Wie überhaupt seit Ende der Apartheid die Tourismusbranche bis
hinauf nach Tanzania immer mehr von südafrikanischen Companies dominiert wird.
Anders der Nationalpark um die Etoshapfanne. 1907 vom deutschen
Governeur Lindequist zum Naturpark erklärt, umfasst das Gebiet heute 22.000 qkm
rund um die 5000 qkm große, ausgetrocknete Etoshapfanne, die sich nur während
der Regenzeit teilweise mit Wasser füllt. Mehrere staatlich geführte Lodges
wurden erst neulich von Grund auf renoviert.
Neben Bungalows mit Vollverpflegung bieten sich vor allem die
Campingplätze an. Auf Grund der stabilen Wetterlage und der wesentlich
günstigeren Preise (15.- Euro pro Person und Nacht) ist Campen die
Urlaubsvariante im Süden Afrikas. Selbst die Mietwagen gibt es mit kompletter
Ausstattung inklusive Dachzelt. Die allerdings wieder ziemlich kostspielig ab
100.- Euro pro Tag.
Drei staatlich geführte Lodges versorgen den Gast mit allem, was
er braucht. Seit kurzem gibt es auch geführte Fahrten in den Abendstunden. Bei
jeder Lodge gibt es eine beleuchtete Wasserstelle mit Salzlecke, wo man hinter
einer sichernden Brüstung die nächtlichen Besucher aus dem Busch fast hautnah
erleben kann.
Westlich der Etosha erstreckt sich eine fast unberührte
Landschaft bis an die Atlantikküste – das Kaokoland. Gebirgsformationen wie
Mondlandschaften wechseln mit trockenen Flusstälern und vereinzelten Oasen. In
deren Nähe kann man mit etwas Glück neben Antilopen auch Nashörner und sogar
Elefanten beobachten. In Palmwag, einer Oase in der Mitte von Nirgendwo, kommen
sie nachts sogar in das Gelände der Lodge und laben sich am frischen Wasser des
Pools.
Eine Besonderheit bietet die Atlantikküste. Eigentlich würde man
ja Sandstrände mit tropischen Genüssen erwarten. Sandstrände gibt es soweit das
Auge reicht. Die Sanddünen der Wüste Namib reichen bis ans Wasser – nur das
Wasser ist kalt.
So wie der Golfstrom die europäische Küste bis hoch nach
Norwegen mit warmem Wasser aus der Karibik verwöhnt, so schreckt der kalte
Benguelastrom aus der Antarktis den Badefreudigen an Namibias Küste. Im Winter
misst das Wasser 12-14 Grad, und selbst im Sommer steigt die Temperatur nicht
über 18 Grad. Als Folge dieses Phänomens - heiße Wüstenluft trifft kalte
Meeresluft - hängt auch immer Nebel je nach Tageszeit über dem Meer und über
der Küste 10 bis 20 km landeinwärts. Innerhalb von 10 Fahrminuten sinkt die
Temperatur von 40 Grad in der Wüste auf 20 bis 25 Grad am Strand.
Diese klimatischen Verhältnisse haben über Jahrmillionen die
Wüste Namib entstehen lassen. Fast ebenso lange war sie von menschlichen
Lebewesen gemieden worden. Erst die europäischen Einwanderer haben die kleinen
Küstenansiedlungen Lüderitzbucht, Walvis Bay und Swakopmund entstehen lassen.
Sie zeugen
heute noch von ihrer deutschen Geschichte. Sorgfältig gepflegte oder
restaurierte Häuser und Villen im Stil der Gründerzeit prägen das Stadtbild.
Metzgerei, Konditorei, Buchhandlung, Volksschule, Amtsgericht oder Bahnhof sind
heute noch aktiv und als solche auch angeschrieben.
Da die Wüste bis in die Stadt reicht, gibt es kein
wirtschaftliches Hinterland. Man lebt klein, aber fein. Über die Weihnachtszeit
ist vor allem Swakopmund voll mit Touristen aus Windhoek. Die halbe weiße
Einwohnerschaft der Hauptstadt flieht vor der Hitze des Hochlandes an die Küste
mit ihren angenehmen Temperaturen. Die restliche Zeit träumen die kleinen
Städtchen von vergangenen Gründertagen. Wohlhabende Pensionisten verbringen
dann in gepflegten Seniorenheimen ihren Lebensabend. In letzter Zeit entwickelt
sich die Stadt auch zum Altersitz deutscher Pensionisten, denen Mallorca und
Gran Canaria zu laut geworden ist.
Das benachbarte Walvis Bay lebt von der Fischfangindustrie und
vom Hafen. Er wird als Alternative zu Kapstadt ausgebaut. Durch den Ausbau der
Transportwege auf Schiene und Straße mit Hilfe Chinas soll er zum Atlantikhafen
des südliche und östlichen Afrikas werden. Aktivitäten werden aber durch die
sehr beschränkte Verfügbarkeit von Wasser limitiert. Hinter dem letzten Haus
beginnt am Reitclub die scheinbar unendliche Wüste.
Der größte Teil der Namib bis nach Südafrika ist wegen der
Diamantenvorkommen zur Gänze für Individualtouristen gesperrt, der Rest ist als
Naturschutzgebiet besonderen Schutzmaßnahmen unterworfen. Der Namib-Naukluft
Park ist mit seinen 50.000 qkm das viertgrößte Schutzgebiet der Erde.
Atemberaubende, unberührte Landschaften, unendliche Weiten und
bis zu 300 m hohe rote Sanddünen sind alleine einen Besuch wert. Trockene
Flussläufe reichen bis 100 km tief zwischen die Dünen und sind nur wenige Tage
im Jahr, wenn in der Regenzeit im Gebirge heftige Gewitter niedergehen, mit
Wasser gefüllt. Büsche und Bäume ziehen ihren Wasserbedarf tief aus der Erde
dieser Trockenbette. Das bekannteste und für Touristen zugängliche Tal ist das
Sossusvlei.
Im Süden der Wüste an der Küste eine absolute Sehenswürdigkeit.
Lüderitzbucht. Hier fand vor etwa 100 Jahren ein Missionar auf seiner Wanderung
den ersten Diamanten. Ein Fieber brach aus ähnlich dem Goldrausch im Wilden
Westen. Abenteurer aller Art zog es in die Wüste. Eine Stadt wurde aus dem Sand
gestampft. Kolmannskop. Mit allen Annehmlichkeiten bis hin zu Ballsaal und
Swimmingpool. Eine Bahnlinie wurde quer durch die Wüste getrieben, Trinkwasser
musste mit Schiffen aus Südafrika herangeschippert werden. Nach relativ kurzer
Zeit verebbte die Hausse, Kolmannskop ist eine im Sand konservierte
Geisterstadt. Der Hafen Lüderitz ist heute Zentrum der Fischfangindustrie und
Der staatlich verwalteten Diamantenschürfung im Sperrgebiet der Wüste und off
shore.
Am Weg dahin, hinter dem letzten Farmzaun, leben verwilderte
Pferde. Die deutschen Schutztruppen, die um die Jahrhundertwende zur Sicherheit
der deutschen Siedler ins Land kamen, versahen ihren Dienst zumeist zu Pferd.
Man schätzt, dass mehr als 100.000 Pferde aus Europa mit Schiffen nach
Deutsch-Südwest gebracht worden sind. Einige dieser Pferde wurden - aus welchen
Gründen auch immer - zurückgelassen und konnten sich an die unwirtlichen Verhältnisse
anpassen. Erklären lässt sich diese Fähigkeit mit neueren Blutuntersuchungen
der Universitäten Pretoria und Kentucky. Demzufolge haben diese Wüstenpferde
einen hohen Anteil Araberblut.
Leider haben sich in den letzten Jahren „Tierschützer“ ins
funktionierende Ökosystem eingemischt. Sie haben Heu gebracht. Anschließend
mussten Wasserstellen eingerichtet werden. In der Folge haben sich die Pferde
unverhältnismäßig vermehrt. Das hat mehr Futterbedarf erzeugt als in dieser
Gegend verfügbar ist. Und die Tieren nützen logischerweise nicht mehr wie
früher das gesamte Gebiet, sondern bleiben in der Nähe von künstlichen Futter-
und Wasserquellen. Der karge Boden ist in weitem Umkreis um diese ruiniert. Und
die Pferde, die sich über mehr als ein Jahrhundert an die Gegebenheiten
angepasst haben werden vom Menschen abhängig.
In Südafrika gibt es drei bodenständige Rassen, die mehr oder
weniger untereinander vermischt scheinen: Boerperd (Burenpferd), Nooitgedachter
und Basuto Pony. Die ersten Pferde der neueren Zeit wurden um 1650 von dem
Buren Jan van Riebeek eingeführt. Es handelte sich vorwiegend um Tiere
arabischen Blutes. Weiters kamen Englisches Vollblut, Andalusier und Persische
Araber ins Land.
Um 1800 kam ein neuer Typ in Mode. Amerikanische Gangpferde, vor
allem Saddler wurden in großer Zahl eingeführt. Heute noch gibt es sogar unter
den extensiven Haltungsbedingungen Namibias eine große Fangemeinde des American
Saddlebred.
Aus diesem Amalgam von Rassen entstand das Cape Grey oder auch
Cape Horse. Sie trugen und zogen die Hauptlast während der Eroberung des
zentralen, südafrikanischen Hochlandes. Das Boerperd war entstanden.
Im Hochland des heutigen Lesotho, eine ehemals autonome,
südafrikanische Provinz, entwickelte der Basutostamm aus diesen Tieren sein
eigenes Basuto Pony.
In den Kriegen zu Anfang des 20. Jahrhunderts waren Pferde das
wichtigste Transportmittel für die Truppen. Engländer und Deutsche brachten
hunderttausende Tiere aus Europa. Die in Südafrika bereits ansässigen Buren
nutzten die lokalen Tiere, allen voran eben dieses Basuto Pony und ihr
Boerperd.
Die heimischen Tiere waren den großen Europäern in allem
überlegen. Dementsprechend war es eine besondere Taktik, diese Tiere so weit
wie möglich auszuschalten. Bis auf 12 Tiere wurde das Basuto Pony fast
ausgerottet.
Um 1950 wurde ein nationales Programm zur Rettung dieser Rasse
gestartet. Araber, Connemara und Englisches Vollblut wurden zum Wiederaufbau
der Rasse genutzt. Das Nooitgedachter, benannt nach der Station, wo es erstmals
nach einem Programm gezüchtet wurde, war geboren.
Heute bestehen Zuchtbücher für Basuto Pony, Nooitgedachter und
Boerperd.
Neben dieser Pflege lokaler Rassen wird heute vor allem für den
Sport gezüchtet. Einerseits ist die Rennpferdeszene hoch entwickelt,
andererseits bringen auch die Springreiter immer wieder Pferde hoher Qualität
auf den Markt.
Vor kurzem konnte erstmals ein Pferd aus Südafrika das
weltberühmte Kentucky Galopp Derby gewinnen. Die Zucht von Springpferden wird
vorwiegend mit importierten, deutschen Spitzenhengsten praktiziert.
In unseren Breiten ist wenig von diesen Tieren zu hören. In
Afrika müssen die Pferde gegen Pferdepest geimpft werden. Die
Quarantänebestimmungen im Norden sind aber so rigoros, dass sich der Transport
von Süd nach Nord nicht rentiert. In die umgekehrte Richtung gibt es großen
Bedarf. Englisches Vollblut, Hannoveraner, Trakehner, Holsteiner und
Oldenburger sind keine Seltenheit.
Die Pferdezucht ist in Namibia aufgrund der klimatischen
Gegebenheiten und der beschränkten Futterbasis nur sehr extensiv zu betreiben.
Namibia ist sozusagen die billige Aufzuchtstation für das hochwertige
Sportpferd Südafrikas.
Der lokale Spring- und Dressursport Namibias bewegt sich in einem
ziemlich geschlossenen Zirkel. Futter muss aus einer Entfernung von 1000 und
mehr km herangefahren werden und ist dementsprechend teuer. Ein Ballen Heu
kostet umgerechnet 6 Euro. Daher sind auch die Einstellgebühren nicht
jedermanns Sache. € 250.- bei einem Monatseinkommen von durchschnittlich 1000.-
€ sind eine Menge Geld und machen Pferde zu einem elitären Vergnügen.
Tiere, die nicht in Nutzung stehen, gehen daher auf eine der
umliegenden Farmen. Auf 10.000 ha, das ist ein Viertel der Fläche Wiens, können
maximal 100 Pferde gehalten werden. Diese Fläche wird nach einem ausgeklügelten
System, abhängig vom Regen der letzten Saison und damit vom Bestand an Futter,
beweidet. An Bewegungsmangel leiden sie jedenfalls nicht. Verluste, vor allem
an Jungtieren, durch Raubtiere werden hingenommen, vergleichbar mit dem Verlust
von Tieren auf der Sommeralm durch Absturz oder Blitzschlag in unseren Bergen.
Quarter Horsezucht und Westernreiten sind nach den Worten eines
stolzen Quarter-Besitzers hier noch „im
Stadium des Urschleims“. Wir hoffen hier in nächster Zeit ein wenig Bewegung in
die Szene bringen zu können. Das Interesse ist jedenfalls häufig geäußert
worden.
Für Touristen stehen alle Varianten von Sportpferden zur
Verfügung. Auf den Reitfarmen werden vor allem Tiere gehalten, die den
Strapazen von steinigem Boden, Trockenheit und wechselnden Reitkünsten der
Gäste gewachsen sind.
Vom einstündigen Ausritt zu einem schönen Platz für
einen romantischen "sundowner" bis zu 6-Tagesritten von Windhoek übers
Hochland und durch die Namib bis ans Meer wird alles angeboten. Das Phlegma,
die Ausdauer und die Trittsicherheit der Pferde und die auf Nützlichkeit und
Bequemlichkeit abzielende Ausrüstung sind dem Westernreiten nahe.
Diese Reit- und Gästefarmen bieten ein umfassendes
Service. Kostenlose Abholung vom Flughafen ist selbstverständlich. Die
Unterbringung bei voller Verpflegung – der nächste Supermarkt ist vielleicht
100 oder mehr km entfernt – in komfortablen Bungalows ebenfalls. Für die Hitze
des Tages steht ein Swimmingpool zur Verfügung, abends wird am offenen Feuer
gegrillt.
Die 6000 ha große Farm Hilton zum Beispiel liegt 65 km
südwestlich der Hauptstadt Windhoek auf etwa 1700 m Seehöhe im Khomas Hochland.
Es wird vorwiegend Rinderzucht betrieben. Zwischen den Rindern findet man
verschiedene Antilopenarten, Zebras, Strausse und Paviane.
Der Erbauer kam 1906 als Mitglied der Schutztruppe ins
Land. Nach Ende der Dienstzeit blieb er im Land und gründete die Farm Hilton.
Aus diesem geschichtlichen Hintergrund entstand die Idee der Wüstenritte. Man
wollte den Weg der Schutztruppen durch die Wüste nachvollziehen. Die
Naturschutzbehörde gab die Einwilligung, seither werden Touren verschiedener
Länge und unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade mit reiterfahrenen Gästen
unternommen.
Dressur- oder Springreitqualitäten sind nicht gefragt.
Ein Mindestmaß an Kondition, Sattelfestigkeit und Geländesicherheit ist
allerdings nötig. Wer mehr als 75 bis 80 kg wiegt, zahlt 30% mehr für das
Mitführen eines zweiten Handpferdes. Selbst mitzubringen sind Schlafsack,
Sonnenschutz, Wasserflasche und Stiefel. Die Reitbekleidung sollte vor allem
bequem sein. Nehmen Sie unbedingt Ihre alte Kleidung in genügender Zahl mit.
An Pferden stehen alle möglichen Rassen zur Verfügung.
Araber, Haflinger, Lipizzaner, Hannoveraner, Trakehner, Vollblüter und einige
Wüstenpferde werden mit Vielseitigkeits- oder Westernsätteln geritten.
Gruppen von 6 bis maximal 15 Reitern werden von
registrierten Rittführern begleitet.
Schotter, Geröll, Gebirgswege und weicher Sandboden
wechseln.
Bei den 3- bis 12-Tagestouren werden durchschnittlich
35 km pro Tag in etwa 6 bis 8 Stunden zurückgelegt. Die Gangart wird dem
Gelände und dem individuellen Können des schwächsten Teilnehmers angepasst.
Abends werden Lager unter freiem Himmel aufgeschlagen.
Zweierzelte mit Feldbetten und Klappstühlen, heiße Duschen und Lagerfeuer sind
vorbereitet. Versorgungsfahrzeuge der Farm bringen einerseits Futter und Wasser
für die Pferde, andererseits auch Wäsche und Verpflegung für die Reiter.
Viele Farmen organisieren auch Touren in die diversen
Nationalparks oder an die Küste.
Meistens werden diese Touren nicht über
Reiseagenturen, sondern privat von der jeweiligen Farm organisiert. Da fährt
dann der Farmer persönlich oder sein Sohn mit dem Pickup eine individuelle
Farmtour. Einige bieten auch Wanderungen oder Kurse mit ortsansässigen
Buschleuten der Kalahari oder den Himbas im Kaokofeld an. Eine kleine Chance
für die von der endgültigen Ausrottung bedrohten Ureinwohner sich ins heutige
Leben zu integrieren und ihr altes Wissen zu bewahren und zu verwerten.
So werden individuelle Wünsche des Gastes optimal mit
der Erfahrung des Einheimischen zum besten Erlebnisurlaub verbunden.
Unbeschreibliche Naturlandschaften machen den Kopf
frei, lassen alle Sorgen vergessen. Sichtweisen und Prioritäten verschieben
sich. Einige kommen wieder, manch einer beginnt sogar heimlich über einen
Altersitz im schwarzen Kontinent nachzudenken.
Das nennt man dann die Afrikanische Krankheit.
Wen sie befällt, der bleibt lebenslang infiziert.
Und wen es interessiert, der fahre hin –
Oder sehe zumindest noch einige fotos unter: namibia.htm
Dr. Friedrich
Wollinger