NAMIBIA 2000

Urlaubsland im Südwesten Afrikas

 

 

Überwintern im Süden – wer hat davon noch nicht geträumt?

(Fotos unter http://www.wollinger.at/namibia.htm)

 

Ein Arbeitsprojekt gemeinsam mit der Windhoek Vet Clinic ermöglichte es mir zur Jahrtausendwende, Pflicht und Neigung zu vereinen und eine neue Faszination kennen zu lernen.

 

Namibia ist ca. 825.000 qkm groß, das ist etwa so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen. Auf dieser Fläche leben 2 Mio. Einwohner, davon sind 10% Weiße. Sie „besitzen“ 90% des Landes.

 

Im 18. Jahrhundert begann die Besiedlung der südwestlichen Ecke Afrikas erst durch holländische, dann durch englische und deutsche Farmer, Handwerker und Missionare.

 

Der Vorgang ist mit dem Vordringen der Weißen im so genannten Wilden Westen zu vergleichen. Arbeitssuchende, Abenteurer, Missionare und Glücksritter folgten der großen Hoffnung auf eine bessere Zukunft, mehr Einkommen und Wohlstand und bestiegen die großen Transatlantikschiffe in Richtung neue Heimat. Diese neue Heimat lag nun für die einen in Amerika - im Wilden Westen - für die anderen im südlichen Afrika. Land wurde erworben, erkämpft oder geraubt, je nach Rechtsverständnis der agierenden Europäer und je nach den jeweiligen lokalen Umständen.

 

Selbst heute noch hört man von höchster Stelle, dass die Indianer Südamerikas hoffnungsfroh und sehnsüchtig auf ihre Erlöser aus dem fernen, katholischen Europa gewartet haben.

 

Gleich war beiden: Europäer erschlossen neue transatlantische Siedlungsgebiete und entwickelten diese nach ihren Vorstellungen. Neue Kolonien entstanden, die Großmächte teilten diese untereinander auf.

 

Gleich war auch beiden: Die lokale Bevölkerung war diesem Bestreben mehr hinderlich denn nützlich. Kämpfe waren die Folgen. Im Westen mit den Indianern, Sioux, Apachen etc., im Süden mit Schwarzen, Hereros, Hottentotten etc.

  

Gleich sind die Legenden: Die bösen Eingeborenen wurden von den guten Weißen bekehrt - oder getötet.

 

Gleich war auch beiden: Zuerst wurden die Einheimischen unterworfen, dann kämpften die Weißen gegeneinander bis ihre Einflussgebiete aufgeteilt waren. Die Einheimischen wurden dazu nicht mehr befragt. Höchstens von der einen oder der anderen Seite für sich mit großen Versprechen für sich als Kanonenfutter gewonnen. Alte, eingeborene Stammesgebiete wurden durch neue, europäische Grenzen getrennt.

 

Nicht gleich ist der heutige Stand: Die Indianer wurden ausgerottet, wenige leben noch in einigen Reservaten, die Schwarze haben überlebt - in fremder sozialer und geografischer Struktur. Das wird heute als der Hauptgrund des afrikanischen Wirtschaftsdilemmas angesehen.

 

Aber das soll kein politischer Artikel über die Probleme Afrikas werden.

 

Deutsche Siedler wanderten, die europäische Wirtschaftskrise im Nacken, in Scharen Ende des 19. Jahrhunderts nach  Deutsch - Südwestafrika aus. Das Land wurde von der Atlantikküste aus erschlossen, entweder von Einheimischen gekauft - die Kaufverträge sind heute noch vorhanden - oder neu besiedelt.

  

Die Siedler des Wilden Westens zogen von Ost nach West. Die deutschen Siedler Südwestafrikas zogen von West nach Ost. Beide unter unbeschreiblichen Mühen zu Fuß, zu Pferd und mit Ochsenkarren über Stock und Stein ins Ungewisse, getragen von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Nachfahren dieser Siedler leben heute in dritter und vierter Generation als Farmer und Geschäftsleute im heutigen Namibia – ehemals Deutsch-Südwest.

 

Seit der Unabhängigkeit regiert eine von Schwarzen dominierte, demokratisch gewählte Regierung. Als Relikt der alten sozialistischen Bande mit der DDR blieben vorerst noch lose politischen Kontakte zu China erhalten.

Seit einiger Zeit hat China einen Teil seiner wirtschaftlichen Entwicklung auf den afrikanischen Kontinent konzentriert. Handel, Transportwesen und Bauwirtschaft sind immer mehr chinesisch beeinflusst. Ausbau der Infrastruktur für Rohstoffe ist die Devise. Ohne Einmischung in interne Belange.

Ökonomisch bestehen enge Verbindungen zu den Nachbarländern, besonders Südafrika, sowie vor allem zu Deutschland und damit zu einer westlich orientierten Gesellschaft.

  

Aufgrund der funktionierenden Infrastruktur, der für afrikanische Verhältnisse stabilen Regierung und der allgegenwärtigen Geschichte, die auch gepflegt wird, entspricht Namibia nicht unbedingt dem Klischee vom afrikanischen Chaos.

Der Linksverkehr – Relikt englischer Herrschaft Mitte des vorigen Jahrhunderts - rollt gemächlich auf Asphaltstraßen. Ampeln funktionieren und werden auch als solche beachtet. Straßenreinigung, Müllabfuhr, Supermärkte, die alles führen und auch am Wochenende bis 22 Uhr geöffnet sind, Tankstellen mit 24-Stundenservice, Hotels, Pensionen und Restaurants unterschiedlichster Geschmacksrichtungen zu moderaten Preisen, all das ist normal – in Windhoek.

  

Die deutsche Geschichte ist in den sauberen Straßen allgegenwärtig. Alte Häuser in Fachwerkbauweise neben einigen unvermeidlichen Hochhäusern und breite, palmengesäumte Flanierstraßen bilden das Stadtzentrum inklusive Fußgängerzone mit den obligaten Souvenirhändlern. Biergärten mit Weißwurst und Hefeweizenbier, Pizzerias, Chinesen, Steakhäuser und Straßencafes mit Apfelstrudel und Melange laden zum Verweilen ein und helfen, sich an das harte, halbwüstenartige Klima in 1500m Seehöhe zu gewöhnen. Sehenswürdigkeiten gibt es wie in jeder anderen Stadt dieser Welt. Erlebenswert ist jedenfalls, bei einem kühlen Bier am Straßenrand zu sitzen und das geschäftige  Nebeneinander von Schwarz und Weiß zu beobachten.

 

Außerhalb der Stadt muss man sich an die Weite des Landes erst gewöhnen. Zum Fürchten ist es auch da nicht – außer man hat Angst, alleine zu sein. Kilometerlang, weiter weg auch stundenlang, trifft man auf nichts und niemanden außer auf Natur.

Die Hauptstraßen sind asphaltiert, die Sandnebenstraßen sind alle nummeriert und beschildert. Verfahren kann man sich mit einem Minimum an Kartenlesen und Orientierung praktisch nicht – nur jede Tankstelle sollte man nutzen. 200 km ohne eine solche sind normal.

Wenn man aber abseits der Hauptstraße nur alle zwei bis drei Stunden ein anderes Auto trifft, dann ist es nicht angenehm, ohne Benzin oder Reservereifen liegen zu bleiben. Geholfen wird aber immer, wenn auch manchmal erst nach Stunden.

 

Das Klima ist meist heiß und trocken. Im Sommer (November bis März) ist es nachts angenehm warm, tagsüber bis 40 Grad heiß.

 

Einzelne heftige Regenschauer bringen die karge Vegetation wieder in Schuss.

Und den Verkehr  zeitweilig für Stunden zum Erliegen weil es praktisch nur Furten, aber kaum Brücken gibt. Vor allem aber auch, weil es auch da Ungeduldige gibt, die unbedingt die Wattiefe ihres Vehikels testen wollen – und dann notgedrungen den Motorraum wieder trocken legen müssen. Bei 300 Tagen ohne Wolke am Himmel sind die Flussläufe nur kurzfristig nach einem Regenguss gefüllt. Die meiste Zeit im Jahr sind es trockene Sandbette. Selbst zu dieser Zeit ist die Hitze aber nicht als unangenehm zu empfinden, da die schwüle Luftfeuchtigkeit gänzlich fehlt.

 

Im Winter sind die Nächte kalt (Minustemperaturen sind keine Seltenheit), tagsüber hat es aber angenehme 20 bis 25 Grad. Das ist die Hochsaison für Touristen. Keine von einem Gewitterregen blockierte Straße, Sonnenschein pur, tolle Licht- und Schattenspiele für den Fotofreund. Die Wildtiere, vom Elefanten über Löwen und Paviane bis zu allen möglichen Gazellenarten und Giraffen, sind wegen der Trockenheit an den Wasserstellen zu finden. Ausflüge mit dem Auto, geführte Fußwanderungen oder Tagesritte sind zu dieser Zeit problemlos zu genießen.

 

Sowohl die staatlich geführten Lodges in den Nationalparks als auch die vielen privaten Gästefarmen bieten dem Besucher alles, was das Herz begehrt bzw. was die Brieftasche zulässt. Billig sind sie nicht 100.- bis 150.- Euro pro Person und Nacht sind Durchschnitt.

 

Manche sind auf Jagdgäste spezialisiert, andere auf Freunde des Fotografierens und wieder andere auf Leute, die einfach das Land in seiner Ruhe und Weite zu Fuß oder zu Pferd erleben wollen. Von Urlaub am Bauernhof mit Familienanschluss bis zu Familienappartements inklusive Aircondition, 4-Gang-Menü, Poolbar, eigener Landebahn für Sportflugzeuge, Helikopterrundflüge und Löwen- oder Gepardenfütterung wird alles angeboten. Aufgrund der beschränkten Kapazitäten ist Voranmeldung aber immer unbedingt erforderlich. Und da alles von weit her herangekarrt werden muss, sollte man auch etwas Kleingeld dabei haben. € 100.- für die Beherbergung sind eine nicht unbedeutende Größe.

Die meisten Touristen zieht es wohl in die Naturparks im Norden des Landes. Im äußersten Norden wird das Land grün und afrikanisch. Die Farmen sind verschwunden. Dörfer säumen den Weg zu den Victoriafällen und ins weltberühmte Okawangodelta. Am Sambesi treffen sich die Angelfreeks vornehmlich aus Südafrika. Wie überhaupt seit Ende der Apartheid die Tourismusbranche bis hinauf nach Tanzania immer mehr von südafrikanischen Companies dominiert wird.

  

Anders der Nationalpark um die Etoshapfanne. 1907 vom deutschen Governeur Lindequist zum Naturpark erklärt, umfasst das Gebiet heute 22.000 qkm rund um die 5000 qkm große, ausgetrocknete Etoshapfanne, die sich nur während der Regenzeit teilweise mit Wasser füllt. Mehrere staatlich geführte Lodges wurden erst neulich von Grund auf renoviert.

 

Neben Bungalows mit Vollverpflegung bieten sich vor allem die Campingplätze an. Auf Grund der stabilen Wetterlage und der wesentlich günstigeren Preise (15.- Euro pro Person und Nacht) ist Campen die Urlaubsvariante im Süden Afrikas. Selbst die Mietwagen gibt es mit kompletter Ausstattung inklusive Dachzelt. Die allerdings wieder ziemlich kostspielig ab 100.- Euro pro Tag.

 

Gut beschilderte Sandstraßen führen den Besucher zu allen Wasserstellen. Hier sind die Tiere zu sehen, die der Afrikaurlauber zu sehen erwartet. Elefanten, Nashörner, Löwen, Geparden, die verschiedensten Gazellen von pferdegroßen Elenantilopen bis zu hasenkleinen Dik-Diks und jede Menge bunter Vögel.

                                                                               

Drei staatlich geführte Lodges versorgen den Gast mit allem, was er braucht. Seit kurzem gibt es auch geführte Fahrten in den Abendstunden. Bei jeder Lodge gibt es eine beleuchtete Wasserstelle mit Salzlecke, wo man hinter einer sichernden Brüstung die nächtlichen Besucher aus dem Busch fast hautnah erleben kann.

                                                            

Westlich der Etosha erstreckt sich eine fast unberührte Landschaft bis an die Atlantikküste – das Kaokoland. Gebirgsformationen wie Mondlandschaften wechseln mit trockenen Flusstälern und vereinzelten Oasen. In deren Nähe kann man mit etwas Glück neben Antilopen auch Nashörner und sogar Elefanten beobachten. In Palmwag, einer Oase in der Mitte von Nirgendwo, kommen sie nachts sogar in das Gelände der Lodge und laben sich am frischen Wasser des Pools.

 

Eine Besonderheit bietet die Atlantikküste. Eigentlich würde man ja Sandstrände mit tropischen Genüssen erwarten. Sandstrände gibt es soweit das Auge reicht. Die Sanddünen der Wüste Namib reichen bis ans Wasser – nur das Wasser ist kalt.

So wie der Golfstrom die europäische Küste bis hoch nach Norwegen mit warmem Wasser aus der Karibik verwöhnt, so schreckt der kalte Benguelastrom aus der Antarktis den Badefreudigen an Namibias Küste. Im Winter misst das Wasser 12-14 Grad, und selbst im Sommer steigt die Temperatur nicht über 18 Grad. Als Folge dieses Phänomens - heiße Wüstenluft trifft kalte Meeresluft - hängt auch immer Nebel je nach Tageszeit über dem Meer und über der Küste 10 bis 20 km landeinwärts. Innerhalb von 10 Fahrminuten sinkt die Temperatur von 40 Grad in der Wüste auf 20 bis 25 Grad am Strand.

Diese klimatischen Verhältnisse haben über Jahrmillionen die Wüste Namib entstehen lassen. Fast ebenso lange war sie von menschlichen Lebewesen gemieden worden. Erst die europäischen Einwanderer haben die kleinen Küstenansiedlungen Lüderitzbucht, Walvis Bay und Swakopmund entstehen lassen.

 

Sie zeugen heute noch von ihrer deutschen Geschichte. Sorgfältig gepflegte oder restaurierte Häuser und Villen im Stil der Gründerzeit prägen das Stadtbild. Metzgerei, Konditorei, Buchhandlung, Volksschule, Amtsgericht oder Bahnhof sind heute noch aktiv und als solche auch angeschrieben.

Da die Wüste bis in die Stadt reicht, gibt es kein wirtschaftliches Hinterland. Man lebt klein, aber fein. Über die Weihnachtszeit ist vor allem Swakopmund voll mit Touristen aus Windhoek. Die halbe weiße Einwohnerschaft der Hauptstadt flieht vor der Hitze des Hochlandes an die Küste mit ihren angenehmen Temperaturen. Die restliche Zeit träumen die kleinen Städtchen von vergangenen Gründertagen. Wohlhabende Pensionisten verbringen dann in gepflegten Seniorenheimen ihren Lebensabend. In letzter Zeit entwickelt sich die Stadt auch zum Altersitz deutscher Pensionisten, denen Mallorca und Gran Canaria zu laut geworden ist.

 

Das benachbarte Walvis Bay lebt von der Fischfangindustrie und vom Hafen. Er wird als Alternative zu Kapstadt ausgebaut. Durch den Ausbau der Transportwege auf Schiene und Straße mit Hilfe Chinas soll er zum Atlantikhafen des südliche und östlichen Afrikas werden. Aktivitäten werden aber durch die sehr beschränkte Verfügbarkeit von Wasser limitiert. Hinter dem letzten Haus beginnt am Reitclub die scheinbar unendliche Wüste.

Der größte Teil der Namib bis nach Südafrika ist wegen der Diamantenvorkommen zur Gänze für Individualtouristen gesperrt, der Rest ist als Naturschutzgebiet besonderen Schutzmaßnahmen unterworfen. Der Namib-Naukluft Park ist mit seinen 50.000 qkm das viertgrößte Schutzgebiet der Erde.

Atemberaubende, unberührte Landschaften, unendliche Weiten und bis zu 300 m hohe rote Sanddünen sind alleine einen Besuch wert. Trockene Flussläufe reichen bis 100 km tief zwischen die Dünen und sind nur wenige Tage im Jahr, wenn in der Regenzeit im Gebirge heftige Gewitter niedergehen, mit Wasser gefüllt. Büsche und Bäume ziehen ihren Wasserbedarf tief aus der Erde dieser Trockenbette. Das bekannteste und für Touristen zugängliche Tal ist das Sossusvlei.

 

Im Süden der Wüste an der Küste eine absolute Sehenswürdigkeit. Lüderitzbucht. Hier fand vor etwa 100 Jahren ein Missionar auf seiner Wanderung den ersten Diamanten. Ein Fieber brach aus ähnlich dem Goldrausch im Wilden Westen. Abenteurer aller Art zog es in die Wüste. Eine Stadt wurde aus dem Sand gestampft. Kolmannskop. Mit allen Annehmlichkeiten bis hin zu Ballsaal und Swimmingpool. Eine Bahnlinie wurde quer durch die Wüste getrieben, Trinkwasser musste mit Schiffen aus Südafrika herangeschippert werden. Nach relativ kurzer Zeit verebbte die Hausse, Kolmannskop ist eine im Sand konservierte Geisterstadt. Der Hafen Lüderitz ist heute Zentrum der Fischfangindustrie und Der staatlich verwalteten Diamantenschürfung im Sperrgebiet der Wüste und off shore.

 

Am Weg dahin, hinter dem letzten Farmzaun, leben verwilderte Pferde. Die deutschen Schutztruppen, die um die Jahrhundertwende zur Sicherheit der deutschen Siedler ins Land kamen, versahen ihren Dienst zumeist zu Pferd. Man schätzt, dass mehr als 100.000 Pferde aus Europa mit Schiffen nach Deutsch-Südwest gebracht worden sind. Einige dieser Pferde wurden - aus welchen Gründen auch immer - zurückgelassen und konnten sich an die unwirtlichen Verhältnisse anpassen. Erklären lässt sich diese Fähigkeit mit neueren Blutuntersuchungen der Universitäten Pretoria und Kentucky. Demzufolge haben diese Wüstenpferde einen hohen Anteil Araberblut.

Leider haben sich in den letzten Jahren „Tierschützer“ ins funktionierende Ökosystem eingemischt. Sie haben Heu gebracht. Anschließend mussten Wasserstellen eingerichtet werden. In der Folge haben sich die Pferde unverhältnismäßig vermehrt. Das hat mehr Futterbedarf erzeugt als in dieser Gegend verfügbar ist. Und die Tieren nützen logischerweise nicht mehr wie früher das gesamte Gebiet, sondern bleiben in der Nähe von künstlichen Futter- und Wasserquellen. Der karge Boden ist in weitem Umkreis um diese ruiniert. Und die Pferde, die sich über mehr als ein Jahrhundert an die Gegebenheiten angepasst haben werden vom Menschen abhängig.

 

In Südafrika gibt es drei bodenständige Rassen, die mehr oder weniger untereinander vermischt scheinen: Boerperd (Burenpferd), Nooitgedachter und Basuto Pony. Die ersten Pferde der neueren Zeit wurden um 1650 von dem Buren Jan van Riebeek eingeführt. Es handelte sich vorwiegend um Tiere arabischen Blutes. Weiters kamen Englisches Vollblut, Andalusier und Persische Araber ins Land.

Um 1800 kam ein neuer Typ in Mode. Amerikanische Gangpferde, vor allem Saddler wurden in großer Zahl eingeführt. Heute noch gibt es sogar unter den extensiven Haltungsbedingungen Namibias eine große Fangemeinde des American Saddlebred.

 

Aus diesem Amalgam von Rassen entstand das Cape Grey oder auch Cape Horse. Sie trugen und zogen die Hauptlast während der Eroberung des zentralen, südafrikanischen Hochlandes. Das Boerperd war entstanden.

 

Im Hochland des heutigen Lesotho, eine ehemals autonome, südafrikanische Provinz, entwickelte der Basutostamm aus diesen Tieren sein eigenes Basuto Pony.

 

In den Kriegen zu Anfang des 20. Jahrhunderts waren Pferde das wichtigste Transportmittel für die Truppen. Engländer und Deutsche brachten hunderttausende Tiere aus Europa. Die in Südafrika bereits ansässigen Buren nutzten die lokalen Tiere, allen voran eben dieses Basuto Pony und ihr Boerperd.

 

Die heimischen Tiere waren den großen Europäern in allem überlegen. Dementsprechend war es eine besondere Taktik, diese Tiere so weit wie möglich auszuschalten. Bis auf 12 Tiere wurde das Basuto Pony fast ausgerottet.

  

Um 1950 wurde ein nationales Programm zur Rettung dieser Rasse gestartet. Araber, Connemara und Englisches Vollblut wurden zum Wiederaufbau der Rasse genutzt. Das Nooitgedachter, benannt nach der Station, wo es erstmals nach einem Programm gezüchtet wurde, war geboren.

  

Heute bestehen Zuchtbücher für Basuto Pony, Nooitgedachter und Boerperd.

  

Neben dieser Pflege lokaler Rassen wird heute vor allem für den Sport gezüchtet. Einerseits ist die Rennpferdeszene hoch entwickelt, andererseits bringen auch die Springreiter immer wieder Pferde hoher Qualität auf den Markt.

Vor kurzem konnte erstmals ein Pferd aus Südafrika das weltberühmte Kentucky Galopp Derby gewinnen. Die Zucht von Springpferden wird vorwiegend mit importierten, deutschen Spitzenhengsten praktiziert.

  

In unseren Breiten ist wenig von diesen Tieren zu hören. In Afrika müssen die Pferde gegen Pferdepest geimpft werden. Die Quarantänebestimmungen im Norden sind aber so rigoros, dass sich der Transport von Süd nach Nord nicht rentiert. In die umgekehrte Richtung gibt es großen Bedarf. Englisches Vollblut, Hannoveraner, Trakehner, Holsteiner und Oldenburger sind keine Seltenheit.

  

Die Pferdezucht ist in Namibia aufgrund der klimatischen Gegebenheiten und der beschränkten Futterbasis nur sehr extensiv zu betreiben. Namibia ist sozusagen die billige Aufzuchtstation für das hochwertige Sportpferd Südafrikas.

  

Der lokale Spring- und Dressursport Namibias bewegt sich in einem ziemlich geschlossenen Zirkel. Futter muss aus einer Entfernung von 1000 und mehr km herangefahren werden und ist dementsprechend teuer. Ein Ballen Heu kostet umgerechnet 6 Euro. Daher sind auch die Einstellgebühren nicht jedermanns Sache. € 250.- bei einem Monatseinkommen von durchschnittlich 1000.- € sind eine Menge Geld und machen Pferde zu einem elitären Vergnügen.

Tiere, die nicht in Nutzung stehen, gehen daher auf eine der umliegenden Farmen. Auf 10.000 ha, das ist ein Viertel der Fläche Wiens, können maximal 100 Pferde gehalten werden. Diese Fläche wird nach einem ausgeklügelten System, abhängig vom Regen der letzten Saison und damit vom Bestand an Futter, beweidet. An Bewegungsmangel leiden sie jedenfalls nicht. Verluste, vor allem an Jungtieren, durch Raubtiere werden hingenommen, vergleichbar mit dem Verlust von Tieren auf der Sommeralm durch Absturz oder Blitzschlag in unseren Bergen.

  

Quarter Horsezucht und Westernreiten sind nach den Worten eines stolzen Quarter-Besitzers  hier noch „im Stadium des Urschleims“. Wir hoffen hier in nächster Zeit ein wenig Bewegung in die Szene bringen zu können. Das Interesse ist jedenfalls häufig geäußert worden.

Für Touristen stehen alle Varianten von Sportpferden zur Verfügung. Auf den Reitfarmen werden vor allem Tiere gehalten, die den Strapazen von steinigem Boden, Trockenheit und wechselnden Reitkünsten der Gäste gewachsen sind.

  

Vom einstündigen Ausritt zu einem schönen Platz für einen romantischen "sundowner" bis zu 6-Tagesritten von Windhoek übers Hochland und durch die Namib bis ans Meer wird alles angeboten. Das Phlegma, die Ausdauer und die Trittsicherheit der Pferde und die auf Nützlichkeit und Bequemlichkeit abzielende Ausrüstung sind dem Westernreiten nahe.

  

Diese Reit- und Gästefarmen bieten ein umfassendes Service. Kostenlose Abholung vom Flughafen ist selbstverständlich. Die Unterbringung bei voller Verpflegung – der nächste Supermarkt ist vielleicht 100 oder mehr km entfernt – in komfortablen Bungalows ebenfalls. Für die Hitze des Tages steht ein Swimmingpool zur Verfügung, abends wird am offenen Feuer gegrillt.

  

Die 6000 ha große Farm Hilton zum Beispiel liegt 65 km südwestlich der Hauptstadt Windhoek auf etwa 1700 m Seehöhe im Khomas Hochland. Es wird vorwiegend Rinderzucht betrieben. Zwischen den Rindern findet man verschiedene Antilopenarten, Zebras, Strausse und Paviane.

Der Erbauer kam 1906 als Mitglied der Schutztruppe ins Land. Nach Ende der Dienstzeit blieb er im Land und gründete die Farm Hilton. Aus diesem geschichtlichen Hintergrund entstand die Idee der Wüstenritte. Man wollte den Weg der Schutztruppen durch die Wüste nachvollziehen. Die Naturschutzbehörde gab die Einwilligung, seither werden Touren verschiedener Länge und unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade mit reiterfahrenen Gästen unternommen.

  

Dressur- oder Springreitqualitäten sind nicht gefragt. Ein Mindestmaß an Kondition, Sattelfestigkeit und Geländesicherheit ist allerdings nötig. Wer mehr als 75 bis 80 kg wiegt, zahlt 30% mehr für das Mitführen eines zweiten Handpferdes. Selbst mitzubringen sind Schlafsack, Sonnenschutz, Wasserflasche und Stiefel. Die Reitbekleidung sollte vor allem bequem sein. Nehmen Sie unbedingt Ihre alte Kleidung in genügender Zahl mit.

  

An Pferden stehen alle möglichen Rassen zur Verfügung. Araber, Haflinger, Lipizzaner, Hannoveraner, Trakehner, Vollblüter und einige Wüstenpferde werden mit Vielseitigkeits- oder Westernsätteln geritten.

Gruppen von 6 bis maximal 15 Reitern werden von registrierten Rittführern begleitet.

Schotter, Geröll, Gebirgswege und weicher Sandboden wechseln.

 

Bei den 3- bis 12-Tagestouren werden durchschnittlich 35 km pro Tag in etwa 6 bis 8 Stunden zurückgelegt. Die Gangart wird dem Gelände und dem individuellen Können des schwächsten Teilnehmers angepasst.

Abends werden Lager unter freiem Himmel aufgeschlagen. Zweierzelte mit Feldbetten und Klappstühlen, heiße Duschen und Lagerfeuer sind vorbereitet. Versorgungsfahrzeuge der Farm bringen einerseits Futter und Wasser für die Pferde, andererseits auch Wäsche und Verpflegung für die Reiter.

 

Viele Farmen organisieren auch Touren in die diversen Nationalparks oder an die Küste.

  

Meistens werden diese Touren nicht über Reiseagenturen, sondern privat von der jeweiligen Farm organisiert. Da fährt dann der Farmer persönlich oder sein Sohn mit dem Pickup eine individuelle Farmtour. Einige bieten auch Wanderungen oder Kurse mit ortsansässigen Buschleuten der Kalahari oder den Himbas im Kaokofeld an. Eine kleine Chance für die von der endgültigen Ausrottung bedrohten Ureinwohner sich ins heutige Leben zu integrieren und ihr altes Wissen zu bewahren und zu verwerten.

  

So werden individuelle Wünsche des Gastes optimal mit der Erfahrung des Einheimischen zum besten Erlebnisurlaub verbunden.

Unbeschreibliche Naturlandschaften machen den Kopf frei, lassen alle Sorgen vergessen. Sichtweisen und Prioritäten verschieben sich. Einige kommen wieder, manch einer beginnt sogar heimlich über einen Altersitz im schwarzen Kontinent nachzudenken.

  

Das nennt man dann die Afrikanische Krankheit.

  

Wen sie befällt, der bleibt lebenslang infiziert.

Und wen es interessiert, der fahre hin –

Oder sehe zumindest noch einige fotos unter: namibia.htm

 

           

Dr. Friedrich Wollinger

office@wollinger.at

           

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