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Wer kennt es nicht, dieses
Gespenst in jedem Pferdestall.
Sollte man meinen.
Doch vieles sind, wie so oft, Geschichten und Gerüchte. Weitererzählt an
Stüberltischen.
Und im Ernstfall regiert die
Unsicherheit -
oder noch schlimmer – Notfall-
oder Koliktropfen im Spind eines Wohlmeinenden.
Gut gemeint ist aber nur zu oft das Gegenteil von
gut gemacht.
Kolik ist keine einheitliche Erkrankung.
Vielmehr ist Kolik ein Sammelbegriff wie auch Schnupfen, Husten oder
Lahmheit.
Kolik bedeutet lediglich Bauchschmerz. Und wie wir von uns selbst auch
wissen, kann dieser unterschiedlichste Ursachen haben.
Gasentwicklung im Darm macht Schmerzen. Ebenso aber auch eine Entzündung von Eileiter
oder Eierstock bzw. sekundärer Geschlechtsdrüsen beim Hengst. Blasensteine,
Nierensteine, Hodenbruch oder Abszesse im Bauch in Folge Druse.
Die Ursachen sind also vielfältig und so ist schon ein wesentlicher Grund
genannt, warum Kolik immer professioneller Hilfe durch einen Tierarzt bedarf.
In erster Linie denkt man bei Kolik aber sicher an Schmerzen, die vom
Verdauungstrakt ausgehen.
Die Ernsthaftigkeit reicht von unbedeutend bis lebensbedrohlich. Erschreckend
dabei ist, dass sich aus einer scheinbar unbedeutenden Schmerzäußerung rasch
ein lebensbedrohlicher Zustand entwickeln kann.
Anzeichen einer Kolik:
Ungewöhnliches Ziehen im Bauch wird das Pferd zuerst einmal durch häufiges,
suchendes Umsehen zu den Flanken erkennen lassen. Es will den Urheber dieses
ungewöhnlichen Gefühles sehen.
Bei Fortbestehen wird sich der Patient zu wehren versuchen und gegen den
Bauch treten und/oder beißen.
Strecken, Sitzen, Niederlegen, Rollen und häufiges Harnabsetzen sind bei
heftigeren Attacken oft zu sehen.
Ebenso ist lokaler oder allgemeiner Schweißausbruch ein schlimmes Zeichen.
Rücksichtsloses Umsichschlagen ist Ausdruck hochgradigen Schmerzes.
Oft sind die Anzeichen allerdings dezenter.
Flämen als Ausdruck von Sauerstoffmangel im Gehirn zum Beispiel. Durch den
schmerzhaften Zustand im Bauch wird Blut in diesen Bereich gezogen. Es fehlt
oben.
Rasches Atmen und aufgezogener Bauch als Ausdruck von Schmerz sind ebenfalls
häufig zu erkennen.
Erste Maßnahmen zum Erkennen und Helfen:
Das wichtigste ist immer der Selbstschutz. Nur ein gesunder Helfer ist ein
guter Helfer.
Zwei Symptome kann jeder, Tapferer oder Ängstlicher, Profi oder Laie,
Männlein oder Weiblein feststellen:
Der Puls ist an der Unterseite des Unterkiefers zu ertasten. Ihr Tierarzt
zeigt ihnen sicher die Stelle. Die Normalfrequenz beim Pferd liegt zwischen
24 und 32 Schlägen pro Minute.
Als Richtwert kann man 40 Schläge pro Minute nehmen. Alles, was darüber liegt
ist erhöht und Ausdruck von Schmerz und gröberen Problemen.
Die Darmgeräusche kann man mit nacktem Ohr an beiden Flanken hören. Sie sind
mittelmäßig deutlich und auslaufend wie in einer Mischmaschine. Laute
Geräusche sind ebenso pathologisch, also krankhaft, wie abgehackte oder gar
keine.
Aus jeder kleinen Magenverstimmung kann eine tödliche Komplikation entstehen.
Im Zweifel ist immer sofort den Tierarzt verständigen. Dieser wird Fragen
nach den oben genannten Symptomen stellen.
Also z. B. Schwitzen, Niederlegen, Dauer und Grad der Symptomatik, Darmgeräusche,
Änderungen in Fütterung und/oder Haltung, Vorgeschichte.
Es ist also ganz günstig sich darüber bereits im Vorfeld ein Bild gemacht zu
haben.
Wenig, oder besser gesagt gar keinen Sinn macht es, angesichts einer Kolik
die Nerven zu verlieren und unkoordiniert herumzutelefonieren und die gesamte
Umgebung anzustecken – oder auch nur irgendwelche Tropfen aus verstaubten
Kästen zu verabreichen.
Für den Patienten ist besonders ruhiges und umsichtiges Vorgehen von Nutzen.
Das Pferd ist in einer Ausnahmesituation und erwartet von seinem Herren und
Meister Hilfe und nicht Hektik und Nervosität. Nervös ist es selbst. Und
diese Nervosität hat noch nie jemandem geholfen. Auch nicht, wenn die
Symptome dramatisch sind.
Während der Wartezeit auf den Tierarzt sind Futter und Wasser zu entfernen.
Nach Möglichkeit sollte das Tier ruhig geführt werden um von den Schmerzen
abzulenken.
Nicht im Trab longieren – versuchen sie einmal mit einem verschlagenen Wind
im Bauch rund ums Haus zu joggen – und nicht treiben, wenn es nicht kann oder
will.
Bei dramatischeren Verlaufsformen kann man schon einmal wegen eines möglichen
Transportes ein passendes Fahrzeug samt Chauffeur organisieren.
Wichtig bei schwereren Symptomen ist es auch, das Verletzungsrisiko so gering
wie möglich halten. Auch und besonders für sich selbst. Ein um sich
schlagendes Tier in der Box kann sehr rasch den Helfer verletzen. Und ein
verletzter Helfer ist kein Helfer mehr.
Medikamente, welcher Art auch immer, sind ohne Anweisung nicht zu
verabreichen.
Sie können Symptome verschleiern und so dem zu Hilfe eilenden Tierarzt den
Grad des Problems verbergen. Wertvolle Zeit geht so verloren.
Erste tierärztliche Tätigkeiten:
Der Allgemeinzustand wird erhoben. Puls und Zustand der Schleimhäute sind
wichtige Hilfsmittel um den inneren Zustand des Patienten abzuschätzen.
Das Abhören des Bauches, die Auskultation, hilft mit, sich ein „Bild“ zu
machen.
Deutlich mehr bringt meist die rektale Untersuchung. Dazu ist es aber
notwendig, dass es einen sicheren Platz dafür gibt. Ein verletzter Tierarzt
ist nämlich auch keine Hilfe.
Zwei Strohballen zwischen dem Patienten und dem Tierarzt oder eine Longe an
dem Hinterbein, wo der Tierarzt steht oder auch nur eine sichere Boxenwand
oder Türe können schon helfen. Ganz wesentlich dabei ist auch ein sicherer
Helfer (der nicht nervös ist und weiß, was er tut).
Die dritte Standardmaßnahme ist die so genannte Nasenschlundsonde. Ein
spezieller Schlauch wird durch eine Nasenöffnung über den Rachen in den Magen
geschoben. Der Tierarzt kann so feststellen, ob der Mageninhalt normal oder
pathologisch verändert ist. Bei bestimmten krankhaften Zuständen rinnt auch
Darmsaft zurück in den Magen und kann diesen im Extremfall zum Zerreißen
bringen (weil, wie wir ja wissen, ein Pferd nicht „kotzen“ kann – außer
vielleicht Jaqueline).
Über die Sonde kann sich dieser unter Druck stehende Magen aber rasch
entleeren. Die Sonde ist also nicht nur Diagnostikum, sondern auch
Therapeutikum. Und es können Medikamente über die Sonde in den Magen eingebracht
werden. Manchmal wird auch über die Sonde der Magen durch mehrmaliges Spülen
gereinigt und der Darm zu neuen Taten angeregt.
Aus der Summe dieser diagnostischen Handlungen kann sich der Tierarzt so ein
Bild von Umfang und Schwere der Erkrankung machen. Die weitere Vorgangsweise
resultiert daraus.
Beim Hengst wird immer der Hodensack untersucht. Zu weite Leistenringe können
dazu führen, dass Dünndarmschlingen sich durch diese Öffnung in der
Bauchdecke in den freien Raum des Hodensackes zwängen. Die schmerzhaften
Folgen sind nicht zu übersehen.
Ursachen für Koliken:
Fehlfunktionen des Magendramtrakts sind die häufigste Ursache. Ausgelöst
können sie werden durch Haltungs- und Futterwechsel, aber auch durch
psychische Veränderungen wie neue Nachbarn, Transport oder Wetterwechsel.
Mechanische Behinderungen wie z. B. Verschlingungen oder Verschlüsse im
Darmtrakt sind immer dramatisch und nur chirurgisch zu beheben. Der positive
Ausgang solch einer Operation ist neben den Leistungen des erfahrenen
Chirurgen ganz wesentlich von der raschen tierärztlichen Erstversorgung
abhängig. Daher sollte rasch kompetente Hilfe gerufen werden.
Darmentzündungen und Magengeschwüre sind nicht so selten wie man annehmen
könnte.
Darmgeschwüre werden durch falsche Fütterung bedingt, die Magengeschwüre sind
oft, wie bei uns auch, Ausdruck von Stress. Und dieser Stress ist bei den
gegenwärtigen Aufstallungen und Fütterungen des Fluchttieres Pferd
allgegenwärtig.
Vorbeuge:
Als erstes sollte, dem eben gesagten folgend, dem Pferd eine artgerechte
Haltung zustehen.
Hochwertiges Futter und klares Wasser, mehrmals täglich angeboten, sind
unabdingbar.
Kraftfutter mehrmals täglich in kleinen Mengen anbieten.
Regelmäßige Parasitenkontrolle und entsprechende, systemische Entwurmungen
sollten in jedem Stall eine Selbstverständlichkeit sein.
Tägliches Arbeiten und Bewegung sind ebenfalls fürs Pferd notwendig. (Wer
weiß das nicht, und wer macht es trotzdem nicht???)
Stress vermeiden. Dieser einfache Satz ist im Umgang mit Pferde unabdingbar.
(Jeder weiß es und nur die wenigsten machen es. Der werte Leser ausgenommen).
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