Paul, Ein Amerikaner in Afrika

oder

 

   

wie TOPSAIL CHEX aus dem Gutental und

 POCO aus Okahandja zu einander fanden

 

Es war einmal im letzten Jahrtausend.

 

Da besuchte der Autor im Juli einen Kongress in Pretoria in Südafrika. Und beklagte sich bitterlich ob der klirrenden Kälte weil er doch einen schönen, warmen Sommer mit den Wintertagen der Südhalbkugel vertauscht hatte.

 

 

 

Ein deutschsprachiger Kollege aus Namibia,

Dr. Wolfgang Späth Chef der Windhoek Veterinary Clinic, sprach daraufhin am Frühstückstisch eine Einladung für die Weihnachtstage in Windhoek aus.

 

Sie hätten dann die Christbaumkerzen wegen der Hitze im Kühlschrank liegen und würden sie nur zum Feiern an einem Kameldornstrauch befestigen und kurz entzünden.

  

Wir lachten noch darüber und ich schlug vor in Zukunft die Praxen zu tauschen. So könnte ich dort überwintern und er hier den für ihn  unbekannten Schnee genießen.

 

Ein Jahr später kam ein email. Ob der Spaß noch Ernst sei. Es sei nämlich ein Assistent ausgefallen und man bräuchte dringend Ersatz für seine Deckstation.

So erlebte ich die Jahrtausendwende unter dem Kreuz des Südens. Und half mit eine damals noch sehr improvisierte Station aufzubauen.

 

Heute stehen auf Nambias Gestüten Spitzenpferde in Dressur, Springreiten und neuerdings auch Westernreiten.

Zum Teil aus importierten Tiefgefriersamen aus Deutschlands Spitzensportpferdezucht.

   

Auf Grund seiner geographischen Lage dient Namibia vor allem als Zuchtstandort und Weideland für die Sportpferdeindustrie Südafrikas. Wegen der Trockenheit sind die Farmen bis zu 10.000 ha groß. Und die Wege dementsprechend weit.  

  

  

Nach einem Regenguss allerdings blüht und sprießt es, dass man es nicht glauben kann. Es passierte mir, dass ich am Weg zu einer Farm zweimal umdrehte, weil ich dachte mich verfahren zu haben. So unterschiedlich wirkt die Landschaft. Und die trockenen Flussbette sind selbst in der Wüste plötzlich kaum noch passierbar.

 

Ein zweites Standbein ist der Tourismus. Und hier bieten einige Farmen Reiten an.  

  

 

Dazu bedarf es besonders trittsicherer, ausdauernder und ruhiger Tiere. So hatte ich einerseits Araber in der Kalahari zu betreuen.

    

Und auch einen Betrieb mit Haflingern. Der Besitzer bot mir bei meinem ersten Besuch um 09.00 morgens als erstes ein Stamperl an. Auf meine Frage, woher er ein „Stamperl“ kenne, lachte er und erzählte mir von seiner Ausbildung zum Büchsenmacher in Ferlach in Kärnten.  

Von da auch die Liebe zum Haflinger. Immerhin hat allein der Import seinen Hengstes Alois 5000.- Euro gekostet

  

  

Und dann waren da noch Bernd und Babette. Sie sind dem treuen Leser schon aus einer anderen Geschichte über Namibia bekannt. Tierpräparatoren, eingewandert aus Ostberlin und schon in alten DDR Zeiten Träumer vom Wilden Westen. Dementsprechend vom Regime geliebt.

  

 

  

Hier in Namibia waren sie nun ihrem Traum recht nahe gekommen. Wenn auch nicht im Westen sondern im Süden. Aber schon zu Zeiten des Wilden Westens wanderten die einen nach Amerika und die anderen nach Afrika aus.

  

Im Januar 2000 fragten sie auf der Klinik wegen Besamung im allgemeinen und wegen Quarter Horses im besonderen nach. Ich wurde losgeschickt um die Neugierigen zu bedienen.

  

Eigentlich hatte ich keine Zeit und wollte nach einem 10-minütigen Vortrag gleich weiter zu meiner richtigen Arbeit.

Wie es nun so passiert. Aus diesen 10 Minuten ist eine mittlerweile über 10 Jahre dauernde Freundschaft geworden.

Begonnen hat sie mit einem, für mich zu dieser Zeit und in diesen Breitengraden völlig überraschenden, köstlichen Marillenkuchen und Kaffee. Und trotz einiger Besuche seither bekam ich erst nach beinahe 10 Jahren den nächsten Kuchen.

Aber offensichtlich musste ich ihn mir erst verdienen.

  

Im Frühjahr 2007 begannen wir mit den Planungen. Als EU-Stationsbewohner war Topsail zwar für den Export bis in die USA befähigt. Aber die Amtsvorschriften Namibias sind genauer als unsere.

So erhielt ich per Fax, das nach mehreren Versuchen endlich auch vollständig und leserlich angekommen war, die Vorschriften des Nambian Statevet.

  

Parallel zu den diversen Samen- und Blutabnahmen erhielt ich per email den jeweiligen Zyklusstand der Stute von Dr. Ian Bains, Chef des Windhoek Animal Hospital. So versuchten wir gemeinsam die Stute in Okahandja  zu meinem Anreisetag hin optimal zu synchronisieren.

  

Am Abflugtag wurde Topsail abgesamt, der Samen entsprechend präpariert und vom zugezogenen Amtstierarzt mit allen Papieren versehen und versiegelt.

Am Flughafen in Windhoek kümmerte sich niemand um Topsail bzw. die versiegelte Styroporbox.

Und doch waren all die Untersuchungen nicht umsonst.

Denn als ich meine Tasche öffnete lag darin ein amtlicher Schein von der Zollbehörde in München.

Sie hätten mein verdächtiges Gepäck öffnen und kontrollieren müssen.

Aber da alle Papiere in der Tasche lagen wurde alles belassen und nach Namibia durchgecheckt. Welch Glück, dass die afrikanischen Behörden so penibel sind.

  

Vom Flughafen ging es direkt ins 100 km entfernte Okahandja zur dort wartenden Poco.

Und 15 Tage später hatten wir Gewissheit – und ich meinen zweiten Marillenkuchen. Nach fast 10 Jahren.

  

Und so endet diese Geschichte auch wie im Märchen.

 

   

Mit einem kleinen Topsail x Poco, geb. am 21.09.2008

 

   

Dr. Friedrich Wollinger

office@wollinger.at

 

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