Fohlen gewünscht

  

Klingt einfach – ist es aber nicht. Oder zumindest nicht ganz.
10 Fragen, die sich jeder stellen sollte

  

  

Erste Frage: die Zuchttauglichkeit der Stute, Alter, bisherige Nutzung
Zweite Frage: welchen Hengst, Deckerlaubnis, Standort, Vererbungsnachweis
Dritte Frage: Decken oder Besamen, Vor- und Nachteile
Vierte Frage: wo wird gedeckt oder besamt, Transport, Durchführung
Fünfte Frage: zeitlicher Ablauf, was muss alles im Vorfeld erledigt werden
Sechste Frage: spezialisierter Tierarzt zur Hand
Siebente Frage: die trächtige Stute, Haltung, Fütterung, Pflege
Achte Frage: die Geburt, Überwachung, Hilfe, mögliche Komplikationen, Tierarzt zur Hand
Neunte Frage: Fohlenaufzucht, Ausbildung
Zehnte Frage: Kosten
    
Ein Menge offener Fragen. Mit der schriftlichen Beantwortung kann man unter Umständen mehr Verwirrung stiften als Information bieten.
 Es sei hier nur in aller Kürze auf die wesentlichen Fragen eingegangen. Nähere Auskünfte bekommen Sie bei jedem Tierarzt, der sich mit Pferdezucht befasst.
     
Grundsätzlich können Stuten auch noch mit 15 und mehr Jahren trächtig werden und Fohlen gebären. Je nach Rasse und Gesundheitszustand sollte das Alter einer Erstgebärenden nicht über 12 (-15) Jahren liegen.
Die Zuchttauglichkeit kann der Tierarzt mittels spezieller Untersuchungen - u. a. auch mit Ultraschall - feststellen.
     
Bei der Hengstauswahl sollte besonderes Augenmerk auf mögliche, bereits vorhandene Nachzucht gelegt werden. An dieser können die Vererberqualitäten abgeschätzt werden. Das Aussehen alleine ist nicht unbedingt ein wertvolles Auswahlkriterium.

  
Bei gewünschter Deckung im Natursprung (siehe unten) ist es von besonderem Interesse wo der Hengst steht. Allzu lange Anreisewege sind nicht empfehlenswert. Auch die Aufstallungsmöglichkeiten im Hengstquartier sollten genau beachtet werden.
  

Im Falle der Künstlichen Besamung (siehe unten) muss nach der Besamungsbewilligung des Hengstes gefragt werden. Nur mit dieser Bewilligung für die jeweilige Decksaison darf Samen verschickt werden. Und der Hengst muss an einer anerkannten Deckstation stehen. Nur von einer solchen darf Samen verschickt werden.
 
Decken oder Besamen, diese Frage wurde in den letzten Jahren immer interessanter.

  
Während beim Natursprung alles, wie der Name sagt, natürlich abläuft, wird bei der Künstlichen Besamung dem Hengst Samen abgenommen. Dieser wird im Labor auf seine Befruchtungsfähigkeit und auf seine Keimfreiheit geprüft, mit verschiedenen Nähr- und Schutzstoffen versehen und an Standort der Stute versandt.

  
Der Natursprung wird immer weniger attraktiv. Die guten Hengste werden meist international nachgefragt. Ihr Samen wird verschickt. Diese Hengste dürfen während der laufenden Saison nicht im Natursprung eingesetzt werden. Was bleibt, ist mittlerweile oft 2. Wahl bzw. nur von lokaler Bedeutung.

    

Die Stute muss oft über weite Entfernungen transportiert werden, Geschlechtskrankheiten können übertragen werden und die Verletzungsgefahr von Hengst und Stute ist beim Deckakt auch nicht zu vernachlässigen.
  

Zur Künstlichen Besamung mit Frischsamen kann die Stute im eigen Stall bleiben vorausgesetzt, ein in der Pferdezucht spezialisierter Tierarzt ist verfügbar. Tiefgefriersamen sollte wegen der komplizierteren Prozedur nur an spezialisierten Deckstationen oder –kliniken verarbeitet werden.
  

Das Prozedere der Künstliche Besamung beginnt mit der exakten Bestimmung des Eisprunges bei der Stute. Der erfahrene Tierarzt kann ihn 24 bis 48 Stunden im Voraus feststellen bzw. medikamentell auslösen. Frischsamen wird dann beim Hengsthalter bestellt und mittels Botendienst innerhalb von 24 Stunden innerhalb Europas versandt und zugestellt. Dieser Dienst funktioniert üblicherweise nur unter der Woche. Wochenenden können vom Tierarzt mittels vorbereitender Behandlung vermieden werden. Die Trächtigkeitsraten bei Künstlicher Besamung mittels Frischsperma sind die gleichen wie im Natursprung.

  

Tiefgefriersamen ist in Spezialcontainern in flüssigem Stickstoff bei -196° gelagert und ständig verfügbar - wenn er rechtzeitig vor einer Besamung beim Tierarzt abgeliefert worden ist. Bei Verwendung von Tiefgefriersperma ist der Besamungszeitpunkt auf Grund der oft schlechteren Samenqualität noch wichtiger. Deshalb sollte diese Art der Samenübertragung nur an qualifizierten Stationen durchgeführt werden. Bei optimalen Bedingungen sind hier auch ähnliche Ergebnisse zu erzielen wie bei Frischsperma oder natürlicher Bedeckung.

  
   
Damit sind die Fragen vier und sechs auch schon beantwortet. Zum Natursprung muss die Stute oft über weite Strecken transportiert werden. Bei Verwendung von Frischsamen kann der spezialisierte Tierarzt auch im Stutenstall erfolgreich arbeiten. Und der Transportweg zur nächsten Besamungsstation bei Verwendung von Tiefgefriersamen ist oft ungleich kürzer als zu einem ausgesucht guten Hengst für den Natursprung.
Diesen wird es auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen für Samengewinnung und –verarbeitung in Zukunft auch nicht mehr im Natursprung geben. Wird nämlich – wie bereits beschrieben - ein Hengst für die Künstliche Besamung vorbereitet und hat er alle notwendigen Qualitätskontrollen durchlaufen, dann darf er nicht mehr im Natursprung decken weil er sich da jederzeit wieder unkontrolliert infizieren und diese Infektion dann weiterverbreiten könnte.

  
   
Was muss nun im Vorfeld geschehen? Die Hengstauswahl ist schon besprochen. Die Zuchttauglichkeitsuntersuchung auch. Unbedingt notwendig sind die erforderlichen Schutzimpfungen gegen Herpes, Tetanus und Pferdegrippe. Nicht nur, dass sich die Stute im fremden Stall anstecken könnte, kann auch umgekehrt der Hengst infiziert werden. Zum Schutz vor Deckinfektionen sollte der Hengsthalter immer die so genannte Tupferprobe verlangen. (Auch daran ist die Seriosität des Managements im Hengststall zu erkennen). Ihr Tierarzt nimmt einen Abstrich aus dem Geschlechtstrakt der Stute und lässt ihn im Labor auf Keime untersuchen. Hengste, bei denen nichts dergleichen verlangt wird, sollten sie im eigenen Interesse meiden.

  
   
Über Haltung, Fütterung und Pflege der trächtigen Stute kann man sich beim Haustierarzt, bei Züchtern, in diversen Publikationen und in diversen Kursen informieren. Das kann mit Ruhe geschehen, weil in den ersten Monaten sich praktisch nichts ändert. Die Stute darf alles weiter machen, was sie vorher gemacht hat. Neue Übungen sollten aber nicht begonnen werden.

  
   
Bleiben als letztes, aber nicht eben unerhebliches Problem die Kosten.
Neben der Deckgebühr sind noch mit einzurechnen die Transportkosten, zusätzlicher Futterbedarf, Ausbau der Box zur Abfohlbox oder das Einstellen zum Abfohlen in einem anderen Stall und vor allem die Aufzucht- und Ausbildungskosten des neuen „Erdenbürger“.

  
   
Zusammenfassend:

  
   
die Künstliche Besamung mit Frischsamen ist der Status quo der Pferdezucht. Die Hengstauswahl hat sich in erster Linie nach seiner Leistung und die seiner  Nachkommen und weniger nach dem Exterieur zu richten.
   
Die Zuchttauglichkeit und die Gesundheit der Stute inklusive Impfungen und Tupferprobe sind von einem in der Pferdezucht versierten Tierarzt festzustellen. Dieser kann dann bei entsprechend genauer Vorbereitung auch ähnliche Trächtigkeitsraten erreichen wie sie vom Natursprung bekannt sind.
   
Die Künstliche Besamung garantiert durch die Arbeit mit dem Tierarzt optimale Zuchtergebnisse ohne Risiko für die Gesundheit des Pferdes bei minimalem Aufwand für den Besitzer.

  

Dr. Friedrich Wollinger
Fachtierarzt für Pferde
office@wollinger.at 

  

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